Das Land war dennoch nicht immun gegen islamistischen Terror. Auf Bali kamen bei einem Attentat im Jahr 2002 mehr als 200 Menschen um, hauptsächlich Touristen aus Australien, aber auch Deutsche und Schweizer. Drahtzieher soll die Terrororganisation Jemaah Islamiyah gewesen sein. Bali ist überwiegend hinduistisch, hier ist nackte Haut kein Problem - und genau das hassen die radikalen Islamisten.

Heute, 17 Jahre danach, ist überall im öffentlichen Raum der Trend zur Islamisierung spürbar. So versuchen strenge Imame aus Saudi-Arabien die Einhaltung des Ramadan zu erzwingen, indem sie den Druck auf Betreiber erhöhen, ihre Restaurants zu schließen. Kleine Garküchen werden von religiösen Eiferern belagert, weil sie während der Fastenzeit geöffnet hatten. Unverschleiert und elegant - das war noch vor 20 Jahren modern. Heute sieht man immer öfter Frauen im Hijab oder zumindest mit Kopftuch. Gerüchte gehen um, dass sich Jemaah Islamiyah neu organisiert. Einige ihrer Mitglieder haben in Syrien beim "Islamischen Staat" mitgekämpft und kehren jetzt in die Heimat zurück.

Anbiederung

Auf diese explosive Stimmung reagieren beide Präsidentschaftskandidaten, indem sie sich an prominente Religiöse anbiedern. Als islamistische Hardliner gegen den christlichen Gouverneur Basuki "Ahok" Purnama mobilmachten, zeigten Widodo und Subianto Sympathien für die Empörten. "Ahok" musste wegen einer harmlosen Äußerung über den Koran ins Gefängnis, einer schleichenden Islamisierung ist scheinbar Tür und Tor geöffnet.

Abseits davon fällt die Bilanz der Amtszeit Widodos gemischt aus. Statt sieben Prozent Wirtschaftswachstums sind es nur fünf geworden. Laut Transparency International ist die Korruption weiter ein Problem, obwohl Widodo hier einiges bewirkt hat.

Zuletzt machen Gerüchte über Wahlfälschung zugunsten des amtierenden Präsidenten die Runde. So sind im Internet Videos aufgetaucht, auf denen zu sehen ist, wie tausende bereits fertig ausgefüllte Wahlzettel in Taschen gestopft werden.