Khartum. Das neue De-facto-Staatsoberhaupt des Sudan will von Anfang an für Klarheit sorgen: Er werde den Machtapparat des gestürzten Omar al-Bashir "mit der Wurzel ausrotten", kündigte Abdel Fattah al-Burhan am Samstag an, nachdem er einen Tag zuvor zum Chef des Militärrats in dem ostafrikanischen Land ernannt worden war.

Burhan präsentiert sich dem politischen Wandel fordernden Volk als unbelasteter Erneuerer - doch an diesem Bild gibt es Zweifel.

Richtig ist: Burhan trat bisher politisch nicht in Erscheinung, ist außerhalb der Armee weitgehend unbekannt. Das macht ihn in den Augen der Demonstranten, die mit ihren monatelangen Massenprotesten den Sturz Bashirs herbeigeführt hatten, zu einer akzeptablen Alternative zum ehemaligen Verteidigungsminister Awad Ibn Auf.

Personalrochade führte zu weiteren Protesten

Der hatte am Donnerstag die Absetzung Bashirs nach 30 Jahren an der Macht verkündet und war dann zum Chef des neu eingerichteten Militärrats ernannt worden. Diese Personalrochade führte zu weiteren Protesten und Ibn Auf trat nach 24 Stunden zurück.

Ibn Aufs Rücktritt katapultierte Burhan aus den Schatten an die Spitze des Landes. Der neue Militärratschef sei zwar ein "hochrangiger Offizier der Streitkräfte, aber im Grunde ist er ein altgedienter Soldat", sagte ein Armee-Offizier. Ander als Bashirs langjährige Vertraute Ibn Auf und Generalstabschef Kamal Abdelmaruf habe Burhan nie im Rampenlicht gestanden.

Burhan wurde 1960 im Dorf Gandatu nördlich der Hauptstadt Khartum geboren. Er studierte an einer sudanesischen Militärschule und später in Ägypten und Jordanien. Im Laufe seiner Karriere diente er zeitweise als Militärattaché in Peking. Bevor Bashir ihn im Februar zum Generalinspekteur der Armee beförderte, war der dreifache Familienvater Kommandant der Bodenstreitkräfte.

Sudanesischen Medien zufolge koordinierte Burhan die Entsendung sudanesischer Truppen in den Jemen als Teil der von Saudi-Arabien geführten Allianz gegen die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen. In diesem Zusammenhang habe der General eng mit Sudans paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) zusammengearbeitet, erklärte die Sudanexpertin Willow Berridge von der Universität Newcastle. Offenbar sei er mithilfe dieser Gruppe jetzt auch an die Macht gekommen.

"Die Rolle der Rapid Support Forces - von vielen als umgemodelte Version der berüchtigten Janjaweed-Milizen gebrandmarkt, die massenweise Gräueltaten in Darfur begangen haben - wird viele auf der Hut sein lassen", sagte Berridge. Insbesondere Rebellengruppen aus Darfur, die sich in Oppositionsbündnissen engagieren, dürften demnach misstrauisch sein.

Burhan verspricht Machtübergabe an zivile Regierung

Abdel Fattah al-Burhan erklärte sogleich am Samstag die von seinem Vorgänger verhängte Ausgangssperre für aufgehoben und versprach, das Militär werde innerhalb von maximal zwei Jahren die Macht an eine zivile Regierung abgeben. Allerdings forderten Oppositionsgruppen und Demonstranten weiterhin eine sofortige derartige Machtübergabe.

Oppositionsgruppen wollten sich nach eigenen Angaben mit dem Übergangsrat treffen, um über eine mögliche Lösung zu sprechen. (apa, afp)