Tripolis. In der libyschen Hauptstadt Tripolis sind am Dienstagabend mehrere Raketen eingeschlagen. Mindestens sieben heftige Explosionen erschütterten die Stadt. Aus einem Stadtteil im Süden der Hauptstadt stiegen nach Angaben von Augenzeugen dichte Rauchwolken auf.

Ein Regierungsvertreter in Tripolis sprach anschließend von zwei Toten und acht Verletzten.

Der den Osten des Landes dominierende libysche General Khalifa Haftar hatte Anfang April eine Offensive auf Tripolis gestartet. Bei den heftigen Gefechten wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon mindestens 174 Menschen getötet. Mehr als 750 Menschen wurden demnach seit Beginn von Haftars Offensive am 4. April verletzt. Nach Angaben des UNO-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) sind inzwischen mehr als 18.000 Menschen vor den Kämpfen südlich von Tripolis geflohen.

Haftar will Tripolis erobern, wo die UNO-gestützte Regierung der nationalen Einheit von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj ihren Sitz hat. Der General unterstützt eine Gegenregierung im Osten Libyens. Neben den Gefechten am Boden fliegen beide Seiten täglich Luftangriffe.

UNO-Resolutionsentwurf fordert sofortige Waffenruhe 

Dem UNO-Sicherheitsrat liegt ein Resolutionsentwurf vor, der eine sofortige Waffenruhe in Libyen fordert. Der von Großbritannien eingereichte Entwurf sollte Diplomaten zufolge am Dienstag im Sicherheitsrat verhandelt werden. Die Resolution sieht vor, "dass alle Parteien in Libyen die Situation sofort deeskalieren und sich zu einer Waffenruhe verpflichten".

Der Entwurf wirft der sogenannten Libyschen Nationalen Armee (LNA) des Generals Khalifa Haftar vor, mit ihrer Offensive die Stabilität in Libyen und die Chance für eine politische Lösung der Krise zu gefährden.

Unklar blieb zunächst, wann der Sicherheitsrat über den Resolutionsentwurf abstimmen wird. Vom UNO-Sicherheitsrat verabschiedete Resolutionen sind rechtlich bindend.

In dem nordafrikanischen Land herrscht seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die 2016 aufgrund eines von der UNO vermittelten Abkommens eingesetzte Regierung in Tripolis hat wenig Einfluss und ist weitgehend auf die in der Stadt und dem Umland herrschenden Milizen angewiesen. (apa, afp, reuters)