Washington/Moskau. Der Kreml weist weiterhin jede Form einer möglichen Einmischung in den US-Wahlkampf von 2016 zurück. "Wie jeher akzeptieren wir derartige Anschuldigungen nicht", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau. Muellers Bericht behaupte, dass Moskau sich eingemischt habe. Dafür habe der Ermittler aber weiterhin keine Beweise vorgelegt. Treffen zwischen russischen und amerikanischen Geschäftsleuten überhaupt als Versuche zu erwähnen, sei schlicht "absurd"

"Niemand hat hier irgendjemandem geschadet", sagte der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin der Agentur Tass zufolge. Es sei nun mal Teil ihrer Arbeit, solche Kontakte zu pflegen. Russland tue dies auch mit anderen Ländern in dieser Form. "Geschäftsleute arbeiten nun mal so."

Mueller hatte unter anderem fast zwei Jahre lang untersucht, ob das Team von US-Präsident Donald Trump geheime Absprachen mit Vertretern Russlands getroffen hat. Mueller legt dar, dass Personen mit Verbindungen zur russischen Regierung sich schon im Sommer 2015 für Trump als Kandidaten der Republikaner interessiert hätten. Er identifizierte "zahlreiche" Kontakte zwischen Trumps Wahlkampflager und Vertretern Russlands vor und nach der Wahl. Darunter waren demnach Geschäftskontakte und Treffen politischer Natur. Die Beweise reichten aber nicht für den Nachweis einer Straftat aus.

Russische Politiker betonten, man solle sich keine Illusionen machen, dass die angeschlagenen Beziehungen bald neuen Aufwind bekämen. "Die Amerikaner wollen auch weiter nicht mit uns zusammenarbeiten. Wir bedauern das sehr", sagte auch Peskow. Russland habe den USA mehrere Vorschläge gemacht. Washington habe aber auf keine der Initiativen reagiert. "Das kann keinesfalls im Interesse beider Länder und der ganzen Welt sein."

Fehlverhalten des Präsidenten

So hat Mueller mehrere Versuche von Trump offengelegt, wie dieser die Untersuchung zur sogenannten Russland-Affäre vereiteln wollte. Während sich Trump für vollständig entlastet hält, sehen die Demokraten in Muellers Erkenntnissen Belege für eine Justizbehinderung und anderes Fehlverhalten des Präsidenten.

Das Ringen um die Deutungshoheit über den mit Spannung erwarteten Bericht geht nun in die nächste Runde. Aus dem mehr als 400-seitigen und in Teilen geschwärzten Dokument geht hervor, dass Trump die Russland-Ermittlungen zu Beginn als ernste Bedrohung seiner Präsidentschaft sah. Mueller und sein Team listen diverse Versuche des Republikaners auf, Einfluss auf die Untersuchungen zu nehmen. Behinderung der Justiz werfen sie ihm aber nicht explizit vor. Trumps Einflussversuche seien meist daran gescheitert, dass Mitarbeiter seinen Anweisungen nicht folgten. Mueller stieß zudem auf "zahlreiche" Kontakte zwischen Trumps Wahlkampflager und Vertretern Russlands. Beweise für eine Straftat gebe es hier aber nicht. (apa, reuters)