Washington, D.C. Kaum war der Untersuchungsbericht von Sonderermittler Robert S. Mueller III am Donnerstag an die Medien gelangt, fraßen sich die Journalisten und Experten durch die 448 Seiten. Mueller sollte eine mögliche Einflussnahme Russlands auf die US-Präsidentenwahlen und dubiose Kontakte von Vertrauten von US-Präsident Donald Trump zu Moskau untersuchen.

Was man bereits vorab wusste: Ein Teil des Berichts wird der Öffentlichkeit auch weiterhin vorenthalten - das US-Justizministerium veröffentlichte nur einen "redigierten" Bericht, rund 10 Prozent des Textes des sogenannten Mueller-Reports sind geschwärzt. Und es sind natürlich die geschwärzten Passagen, die nun besonderes Interesse hervorrufen.

Was verbirgt sich hinter dem herausredigierten Text? Eine Analyse des Berichts durch die "New York Times" liefert Antworten: 69 Prozent der Schwärzungen enthalten offenbar Informationen, die auch Gegenstand laufender Ermittlungen sind. 18 Prozent der Streichungen wurden auf Basis geltender Gesetze vorgenommen, die eine Veröffentlichung von Grand Jury-Akten verbietet. Eine Grand Jury entscheidet, ob Belastungsmaterial für eine Anklage reicht oder nicht, derartige Akten dürfen nicht veröffentlicht werden.

Acht Prozent der schwarz markierten Textpassagen wurden unleserlich gemacht, um Geheimdienstquellen zu schützen.

Und fünf Prozent der Schwärzungen betreffen Textpassagen, die bei ihrer Veröffentlichung einen Eingriff in die Privatsphäre nach sich gezogen hätten.

Aufschlussreich ist auch, in welchen Abschnitten des 448-Seiten-Dokuments die meisten Schwärzungen gesetzt wurden: Im ersten Abschnitt des Reports, der sich mit der russischen Einflussnahme auf die Wahlen beschäftigt, ist mehr Text unleserlich, als im zweiten Abschnitt, der die Versuche der Behinderung der Justiz durch Trumps Umfeld und den Präsidenten selbst behandelt.

Heute ist deutlich: Der Mueller-Report wurde und wird faktisch in vier Phasen veröffentlicht. Phase eins begann am 17. Mai 2017, als der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein Robert Mueller als Sonderermittler einsetzte. Muellers Ermittlungen blieben der Öffentlichkeit nicht lange verborgen, denn ab Oktober 2017 gab es die ersten Anklagen - etwa gegen Gefolgsleute von Donald Trump, wie etwa Paul Manafort und Rick Gates. Über das ganze Jahr 2018 hinweg wurden Anklagen gegen russische Bürger und weitere Leute in Trumps Umfeld erhoben. Dann gab es spektakuläre Hausdurchsuchungen bei Trumps Anwalt, Michael Cohen. Über den Sommer 2018 hinweg gab es die ersten Schuldsprüche, weitere Verhaftungen und Schuldsprüche folgen bis kurz vor der Veröffentlichung einer ersten Zusammenfassung des Mueller-Reports am 24. März 2019. In dieser Phase eins konnte das Publikum Mueller bei den Ermittlungen förmlich über die Schulter blicken: Denn die Verhaftungen und Urteile gaben in regelmäßigen Abständen Hinweise darüber, in welche Richtungen die Ermittlungen liefen.