Die zweite Phase begann am 22. März 2019, als Justizminister Bill Barr den Mueller-Bericht, der nun seit Donnerstag der Öffentlichkeit vorliegt, erhalten hat. Barr schickte am 24. März eine Zusammenfassung an den US-Kongress. Seine Conclusio: Mitglieder der Trump-Wahlkampagne hätten bei der Einflussnahme Russlands auf die US-Wahlen nicht mit Moskau zusammengearbeitet. Was die Vorwürfe der Behinderung der Justiz beträfen, so sei Mueller nicht zum Schluss gelangt, dass Trump ein Verbrechen begangen hat, indem er die Arbeit der Ermittlungsbehörden behindert habe. Mueller würde ihn aber von diesen Vorwürfen auch nicht entlasten. Barr sagte, dass es keine ausreichenden Beweise dafür gebe, dass Trump die Justiz behindert habe und betonte, dass ein solcher Vorwurf jedem Zweifel standhalten müsste.

Die Veröffentlichung des redigierten Berichts markiert Phase drei der öffentlichen Debatte: Nun ergibt sich ein nuancierteres, kritischeres Bild, als es der Donald Trump loyale Justizminister Bill Barr noch am 24. März gezeichnet hat.

Und mit der Veröffentlichung des redigierten Berichts hat Phase vier begonnen: Nämlich der Streit darüber, ob die demokratischen Kongressmitglieder Einblick in den gesamten, unredigierten Bericht nehmen und Robert Mueller vor einem Kongressausschuss befragen können. Die Demokraten argumentieren, dass endlich die ganze Wahrheit ans Licht kommen müsse, doch für die Anhänger Trumps ist die Sache nun erledigt, sie wollen im Gegenteil untersuchen lassen, wie es zur "Hexenjagd" kommen konnte.

Doch auch der Einblick in den redigierten Text ist höchst aufschlussreich: Es zeigt sich nun, dass der US-Präsident mehrfach versucht hat, die Ermittlungen zu torpedieren und zu hintertreiben. Als Justizminister Jeff Sessions Trump im Mai 2017 berichtete, dass ein Sonderermittler eingesetzt wurde, soll Trump gesagt haben: "Ich bin erledigt" - Trump war der Meinung, dass seine Präsidentschaft nun bald am Ende sein würde. "Das ist das Schlimmste, was mir je widerfahren ist", soll er zu Sessions gesagt haben. Mehrfach soll Trump von seinen Untergebenen verlangt haben, dass Sonderermittler Mueller gefeuert wird. Doch sie widersetzten sich Trumps Anweisungen. Der US-Präsident soll auch versucht haben, seine Untergebenen dazu zu bringen, für ihn zu lügen. Auch Trumps Vorwürfe, bei den Mueller-Untersuchungen handle es sich um "Fake News" stürzen nun in sich zusammen.

Zwei Dinge hat der Reportunzweifelhaft zutage gefördert: Es findet sich folgender schwerwiegender Satz im Bericht - und er betrifft den Vorwurf der Behinderung der Justiz: "Seine [Trumps] Amtsführung macht es uns schwer, den Schluss zu ziehen, dass keine kriminellen Akte gesetzt wurden." Mueller ist es aber nicht gelungen, "über jeden Zweifel erhaben" dazulegen, dass die Trump-Wahlkampagne mit russischen Kreisen konspiriert hat, um die Wahl in seinem Sinne zu beeinflussen. Der Mueller-Bericht enthält aber eine wahre Fülle von Verdachtsmomenten aus denen sich heute erklärt, warum das FBI 2017 derart alarmiert war über mögliche russische Einflussnahme war.