"Fast alle sind gut gebildet und kommen aus der Mittel- oder gehobenen Mittelschicht; ihre Familien leben in stabilen Einkommensverhältnissen", erklärte Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene. "Das ist ein besorgniserregender Faktor hier." Manche von ihnen haben offenbar im Ausland studiert und von dort Studienabschlüsse, etwa als Juristen. Ein Täter soll in Großbritannien und Australien studiert haben.

Sri Lankas Regierung macht die weitgehend unbekannte "National Tawheed Jamath" (NTJ) für die Attentatsserie verantwortlich; die Organisation soll dabei Hilfe vom internationalen Terrornetzwerk bekommen haben. 60 Personen wurden inzwischen festgenommen, unter ihnen auch ein Syrer. Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) hatte sich am Dienstag zu dem Anschlag bekannt und Fotos der mutmaßlichen Selbstmordattentäter verbreitet. Terrorexperten gehen davon aus, dass die komplexe Attentatsserie monatelang geplant wurde. Motiv dürfte Rache für das Moscheemassaker von Christchurch in Neuseeland gewesen sein, bei dem ein Rechtsradikaler im März 50 Muslime getötet hatte.

Muslime hatten vor Hassprediger gewarnt

Indien hatte Sri Lanka zuvor mehrfach konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag von Islamisten zukommen lassen. Quelle war offenbar eine dem IS nahestehende Person in Südindien. Die letzte Warnung sei nur einige Stunden vor den Attentaten erfolgt. Offenbar nahmen die Behörden in Sri Lanka diese aber nicht ernst. Die Regierung nahm dies am Mittwoch zum Anlass, die gesamte Führungsriege bei der Polizei, Armee und den Geheimdiensten auszutauschen. Präsident Maithripala Sirisena kündigte zudem Umstrukturierungen an. Dies könnte der Beginn einer neuen Welle von Nationalismus sein - zu Lasten religiöser und ethnischer Minderheiten.

Sri Lankas muslimische Gemeinschaft fürchtet sich vor Repressalien. Radikal-buddhistische Mönche haben in den letzten Jahren Leute aufgehetzt und anti-muslimische Pogrome angezettelt. Muslimische Führer hatten Polizei und Nachrichtendienste schon länger vor Hasspredigern in Sri Lanka gewarnt, die zum Dschihad aufgerufen haben, darunter auch Zahran Hashim, der Gründer der NTJ, der die Anschläge geplant haben soll. "Diese Leute haben Gehirnwäsche betrieben", sagt Reyyaz Salley von der Shaikh-Usman-Waliyullah-Mosche. "Wenn die Behörden unserem Rat gefolgt wären, hätte dies alles verhindert werden können."