Mossul. "Fuck ISIS", hat jemand mit schwarzer Farbe auf eine Wand der ruinierten An-Nori-Moschee gesprüht. Im Juni 2014 hat hier, im Westteil von Mossul, Abu Bakr al-Baghdadi das Kalifat ausgerufen. Drei Jahre später drangen Spezialeinheiten der irakischen Armee in die Altstadt vor. In den Gassen, zu eng für Panzerfahrzeuge, wird um jedes Haus, jeden Hof gekämpft. Artillerie und Luftschläge pulverisieren ganze Häuserblöcke. Als Premierminister Haider al-Abadi die im äußersten Norden des Irak gelegene Stadt für befreit erklärt, liegt West-Mossul mit der historischen Altstadt in Trümmern. Vom berühmten 45 Meter hohen, schiefen Minarett der An-Nuri-Moschee blieb nur ein Stumpf übrig.

In der neunmonatigen Schlacht um Mossul haben die Koalitionsstreitkräfte 1250 Luftschläge durchgeführt. Laut UN-Habitat wurden mehr als 31.000 Gebäude beschädigt oder zerstört, die meisten von ihnen im Westteil der Stadt. Mit ihnen Straßen, Brücken, Wasser- und Stromleitungen. Geschätzte zehn Millionen Tonnen Schutt hat der Kampf um Mossul hinterlassen. Über eine Million Menschen sind während der Kämpfe geflohen. Und Tausende starben, zerdrückt unter einstürzenden Bauten, zerrissen von Explosionen, zerfetzt von Schrapnellen, erschossen von Scharfschützen. So ist es auf den Listen der Leichenhallen verzeichnet. Zwischen 9000 und 11.000 Zivilisten sollen ihr Leben verloren haben.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Explosiver Schutt

Das Viertel Mayasa liegt unweit der An-Nuri-Moschee in der Altstadt. Der Gestank der Leichen ist längst verzogen. Entlang der von Ruinen gesäumten Schlammpiste verkaufen Händler Tomaten und Gurken - Farben in einer Welt aus Grau und Braun. Im Metzgerladen - die Fassade von Kugeln zersiebt - hängt Fleisch an Eisenhaken, Rauch steigt von einem Grillofen auf. Langsam kehrt Leben in die Ruinen zurück.

Video aus Mossul

Abseits der vom Schutt befreiten Straße ist das Scharren von Metall auf Stein zu hören. "Das Problem sind die engen Gassen", sagt Bayar Fahmi vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP). "Hier kann kein Bagger reinfahren, alles muss mit Hand gemacht werden." Im durchgebrochenen ersten Stock steht noch ein Metallbett an der grünen Wand. Im Erdgeschoss schaufeln ein Dutzend Arbeiter geborstene Ziegel und Zementbrocken aus der Ruine und schaffen sie mit Schubkarren weg. Raus auf die Schlammpiste, wo ein Bagger den Schutt auf LKWs kippt. "Vier Lastwägen voll werden täglich aus Mayasa und dem angrenzende Mansuriya gekarrt", so Bayar. Auf einen ständig wachsenden Schuttplatz irgendwo außerhalb Mossuls.