Caracas. Mit einem Generalstreik will Venezuelas selbsternannter Übergangspräsident Juan Guaido den Druck auf Staatschef Nicolas Maduro erhöhen. Der Oppositionsführer kündigte am Mittwoch bei Protesten in der Hauptstadt Caracas an, ab Donnerstag solle mit abgestuften Arbeitsniederlegungen begonnen werden. Dies solle zu einem Generalstreik ausgeweitet werden.

Bei den jüngsten Protesten gegen die venezolanische Regierung hat es nach Angaben von Guaido zwei Tote gegeben. Guaido bezog sich auf Angaben der Beobachtungsstelle für soziale Konflikte (OVCS).

Denen zufolge sei am Dienstag ein 24-Jähriger im Bundesstaat Aragua getötet worden, zudem sei eine 27-Jährige in der Hauptstadt Caracas am Mittwoch ihren Verletzungen im Krankenhaus erlegen. Laut OVCS wurde sie bei einer Demonstration am 1. Mai von Kugeln im Kopf getroffen. Guaido machte jeweils regierungstreue Kräfte für deren Tod verantwortlich. Trotz einiger Überläufer stehen die Streitkräfte des Landes nach wie vor offiziell hinter der sozialistischen Regierung Maduros.

Guaidó hatte am Dienstag die Venezolaner aufgerufen, seine "Operation Freiheit" zu unterstützen, mit dem Ziel eines Regierungsumsturzes. In vielen Städten waren Tausende auf die Straßen gegangen. Am Maifeiertag am Mittwoch liefen sowohl Unterstützer der Opposition wie der Regierung zu Massendemonstrationen auf. An beiden Tagen kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen. Die OVCS berichtete von mehr als 230 Verletzten an beiden Protesttagen.

Maduro droht Konsequenzen an

Maduro versammelte am Mittwoch tausende Unterstützter nahe des Präsidentenpalastes Miraflores. Er drohte den Soldaten, die sich am Dienstag gegen ihn gestellten hatten, dabei harte Konsequenzen an. Er werde nicht zögern, verurteilte Anführer des "kriminellen Putsches" hinter Gitter zu bringen, sagte der Linksnationalist.

Guaido und Maduro liefern sich schon seit Monaten einen erbitterten Machtkampf in dem südamerikanischen Krisenstaat. Rund 50 Staaten, unter ihnen die USA und Deutschland, haben Guaido als Übergangspräsidenten anerkannt. Maduro kann auf die Unterstützung von Staaten wie Russland, China und Kuba zählen - und offenbar weitestgehend auf den Rückhalt der venezolanischen Armee, die ein wichtiger Machtfaktor ist.

USA: Bisher kein konkreter Befehl für Militäreinsatz

Das US-Verteidigungsministerium hat nach Darstellung einer ranghohen Vertreterin bisher keinen konkreten Befehl für einen Militäreinsatz in Venezuela bekommen. Selbstverständlich prüfe man immer verfügbare Optionen und plane für Eventualitäten, sagte die amtierende Vize-Verteidigungsministerin für internationale Sicherheitsfragen, Kathryn Wheelbarger, am Mittwoch bei einer Anhörung im Kongress.

Der amtierende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan hatte wegen der Lage in Venezuela zuvor eine Reise nach Europa abgesagt. Shanahan habe entschieden, dass er sich besser mit dem Nationalen Sicherheitsrat und dem Außenministerium über Venezuela abstimmen könne, wenn er in Washington bleibe, teilte sein Sprecher Joe Buccino mit. Der Sicherheitsrat wollte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) über die Lage in dem südamerikanischen Land beraten.

Wachsende Spannungen zwischen USA und Russland

Die Krise in Venezuela führte auch zu wachsenden Spannungen zwischen den USA und Russland. US-Außenminister Mike Pompeo und sein russischer Kollege Sergej Lawrow tauschten in einem Telefonat am Mittwoch heftige gegenseitige Vorwürfe aus. Sie beschuldigten die jeweils andere Regierung, sich in unzulässiger Weise in die Venezuela-Krise einzumischen. Pompeo hatte vor dem Telefonat eine militärische US-Intervention in Venezuela als "möglich" bezeichnet, wenn diese "erforderlich" sei. Er fügte aber hinzu, seine Regierung hoffe, dass es eine friedliche Lösung geben könne. (apa, afp, dpa)