Wellington. Neuseeland hat zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Maori-Richter am Obersten Gerichtshof. Der Jurist Joseph Victor Williams wurde am Donnerstag zum Mitglied des Supreme Court ernannt, des höchsten neuseeländischen Gerichts. In dem Pazifikstaat sind von knapp fünf Millionen Einwohnern etwa 15 Prozent Angehörige der indigenen Bevölkerung.

Williams ist seit den 80er-Jahren Rechtsanwalt und hat sich auf Maori-Angelegenheiten spezialisiert.

Die Maori leben seit dem 13. Jahrhundert in Neuseeland und waren zunächst großer Diskriminierung ausgesetzt. Mit der Landnahme durch die Europäer im 19. Jahrhundert wurde die Kultur der Indigenen unterdrückt und ihr Land gestohlen. Offiziell waren die Maori später rechtlich zwar gleichgestellt, die Diskriminierung in allen Bereichen - Schule, Beruf, öffentliches Leben - aber enorm. Der Gebrauch der Maori-Sprache war verboten.

Aufbegehren in den 70ern

In den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam es zu einem ersten großen Aufbegehren, es gab Demonstrationen und Straßenschlachten. Zahlreiche weiße Neuseeländer solidarisierten sich. Mitte der 90er-Jahre entschuldigte sich die Queen für das begangene Unrecht, schrittweise kam es zum Abbau der Schikanen. Mitlerweile wurde das in höchstem Maße diskriminierende Schulsystem geändert, die Maori stellen eigene Ingenieure, Rechtsanwälte und Lehrer. Ländereien und Fischereirechte wurden mittlerweile wieder zurückgegeben, allerdings nur zu einem minimalen Teil, wie Aktivisten betonen. Im Parlament sind 15 Sitze für die Minderheit reserviert.

Dennoch sind viele Probleme weiterhin nicht aus der Welt geschafft, wie Maori-Vertreter betonen: Der Lebenstandard ist immer noch erheblich geringer als der der Eingewanderten, immer wieder kommt es zu Übergriffen der Polizei. Dazu beklagen Maori-Aktivisten, dass die Regierung bereits gemacht Zusagen immer wieder bricht. (apa/red)