Caracas. Am Tag, als der Parlamentspräsident Juan Guaidó den Regierungschef Nicolás Maduro einmal mehr endgültig aus dem Amt jagen wollte, zeigte sich Maduro erst in den Abendstunden in der Öffentlichkeit.

Guaidó wollte Maduro am Dienstag in einer Überraschungsaktion mittels Volksaufstand zur Aufgabe nötigen. Doch die darauffolgenden Straßenschlachten mit Verletzten und zwei Toten waren vergleichsweise weniger blutig, als die Aufstände zum Jahresanfang oder die Demonstrationen, nachdem das Parlament vergangenes Jahr entmachtet worden war.

Dafür ist der PR-Krieg um die Macht in Venezuela mit voller Macht entbrannt. Und der läuft nicht nur in Venezuela ab, sondern auch zwischen den USA (die Guaidó unterstützen) und Russland (das auf Seiten Maduros ist).

Das klingt dann in etwa so: Der Grund, warum man Maduro nicht zu Gesicht bekommen hätte, war, weil er schon mit einem Fuß im Ausland war. Guaidó-Unterstützer Gustavo Tarre, der als Diplomat bei der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) in Washington arbeitet, streute gezielt - ohne Beweise vorzuzeigen - die Information, dass Maduro an dem Tag mit der OAS über eine Ausreise aus Venezuela verhandelt habe. Die Frage sei nur gewesen, wann und wohin. Ein Ball, den die US-Regierung dankbar aufnahm: US-Außenminister Mike Pompeo behauptete, Maduro hätte bereits ein Flugzeug auf dem Rollfeld für seine Flucht. Aber Russland habe Maduro befohlen, er solle in Caracas ausharren. "Das ist nicht wahr", erklärte am Donnerstag Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Moskau warnte zudem vor Konsequenzen, sollte Washington weiter seine Muskeln spielen lassen.

Diese Art von Unterstützung Russlands für Maduro ist wiederum Washington ein Dorn im Auge. Pompeo erklärte in einem Telefongespräch mit Lawrow, Moskaus Einmischung würde eine Destabilisierung Venezuelas riskieren.

Der Nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, John Bolton, wurde noch deutlicher: "Das ist unsere Hemisphäre", sagte er.

Solche verbalen Muskelspiele sind Wasser auf die Mühlen der verbleibenden Maduro-Fans, die eine amerikanische Invasion mehr als alles andere fürchten. Und eine militärische Option wurde von Pompeo zuletzt immer wieder ins Spiel gebracht.

Kampf um Deutungshoheit

In Venezuela sehen die PR-Maßnahmen mitunter so aus: Soldaten werden vor die Kamera gezerrt und behaupten, ihre Kollegen wären nur bei einer Rede von Guaidó mit im Bild gewesen, weil sie nicht wussten, dass es sich bei dem nicht näher genannten "Festakt" um eine Rede Guaidós handeln würde. Die staatsnahe Zeitung "Ultimas Noticias" nennt alle zehn Sicherheitsbeamte, die bei den Demonstrationen verletzt wurden, mit vollem Namen und macht Guaidó direkt für deren Schicksal verantwortlich.

Angehörige von Verteidigungsminister Vladimir Padrino López - inklusive seiner betagten Mutter - versammelten sich vor der Kamera am Familiensofa, und lasen ein Statement ab, in dem sie den Minister anflehten, sich von Maduro abzuwenden. Das Video fand eine rasante Verbreitung in den sozialen Netzwerken.