Kabul. 17 Jahre war er jung. Kein Kind mehr, aber doch nicht alt genug, um in die Polizei einzutreten. Kurzerhand fälschte er seine Geburtsurkunde und schon wurde er zugelassen. Eine Woche soll die Ausbildung gedauert haben. Dann wurde er an einem Kontrollposten in der westafghanischen Provinz Herat stationiert.

Vier weitere Tage vergingen und Taliban-Kämpfer stürmten im Dunkel der Nacht den Kontrollposten. Er wurde getötet, genauso wie fünf seiner Kameraden.

Der junge Mann war der Neffe des ehemaligen afghanischen Außenministers Rangin Dadfar Spanta. Seinem Onkel hatte er verschwiegen, dass er in die Polizei eingetreten war. Er war das 13. Familienmitglied, das Spanta in 15 Jahren verloren hat. Zwei von ihnen waren Brüder.

Konflikt hat sich noch einmal verschärft

Es ist kein Einzelfall. Präsident Ashraf Ghani gestand im Jänner ein, dass seit Beginn seiner Amtszeit Ende 2014 mehr als 45.000 Polizisten und Soldaten in Afghanistan getötet wurden. Der Konflikt hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal verschärft. Das Blutvergießen wurde zum Gemetzel. "Vergangenen Sommer hatten wir teils 200 bis 300 Tote am Tag", sagt Spanta. "Wir können uns das nicht mehr leisten, keine Seite des Konflikts."

Im vergangenen Sommer hatten die USA eine Kehrtwende vollzogen und Direktgespräche mit den Taliban aufgenommen, um den Konflikt politisch beizulegen. Davor hatte es stets geheißen, ein Friedensprozess müsse unter afghanischer Führung stattfinden. Doch die Taliban weigern sich bis heute, mit der afghanischen Regierung zu sprechen. Sie sehen in ihr nur eine Marionette des Westens.

Was nicht heißt, dass Kabul untätig geblieben wäre. Praktisch der gesamte politische Alltag dreht sich in Afghanistan heute um die Suche nach Wegen zu Frieden. Doch mindestens gleich schwierig wie die Frage, wie die Taliban zu offiziellen Verhandlungen mit Kabul zu bringen sind, scheinen die Bemühungen, dass die Nicht-Taliban-Seite mit geeinter Stimme auftritt.

Großer Vertrauensverlust

Ghani baute in den vergangenen Monaten den Hohen Friedensrat um, stellte einen Hohen Beratungsrat für Frieden auf, der später von einem Führungsrat für Versöhnung abgelöst wurde, ernannte Verhandlungsteams und Delegationen. Doch die Bemühungen stießen auf Kritik der Opposition und Teilen seiner eigenen Regierung, die sich ausgeschlossen fühlten oder meinten, andere Wege und Verhandler würden eher zu Frieden führen. Mit jedem Tag wurde klarer, wie gering das Vertrauen ist, dass eine Handvoll Politiker die Interessen aller Afghanen und Parteien wahren könne.