Pretoria/Wien. Die gereckte Faust ist eines der Markenzeichen der südafrikanischen Economic Freedom Fighters (EFF). Ihr Vorsitzender, der für seine scharfen Reden bekannte Julius Malema, verwendet diese Geste bei seinen Auftritten, die zumeist in roten T-Shirts gekleideten Aktivisten der Partei heben die Faust in die Höhe, wenn sie sich auf der Straße begegnen. "Die Macht", sagen dann die einen. "Dem Volk!", antworten die anderen.

Das ist genau der Vorwurf, den die EFF ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Apartheid dem African National Congress (ANC), der Befreiungsbewegung von Nelson Mandela, machen: Dass der ANC in seiner 25-jährigen Regentschaft eben nicht die Macht dem Volk zurückgegeben habe. Reichtum und Wirtschaft seien noch immer in den Händen der weißen Minderheit, während die schwarze Bevölkerung in Armut lebe. Deshalb fordern Malema und seine Mitstreiter Verstaatlichungen und Enteignungen, vor allem von Weißen.

Verteilungsfragen werden in Südafrika noch immer schnell zu Debatten über Herkunft und Hautfarbe. Laut der staatlichen Statistikbehörde Südafrikas lebten noch 2015 weniger als fünf Prozent der Weißen unter der Armutsgrenze, während das auf rund 40 Prozent der Schwarzen zutraf. Würde man aktuell so eine Untersuchung machen, wären die Zahlen wohl ähnlich. Auch sonst hat der ANC viele enttäuscht, fast täglich kommt es zu Protesten von Townshipbewohnern, die Strom in ihren Vierteln, bessere Schulen oder Jobs - Südafrika hat eine Arbeitslosenquote von fast 30 Prozent - fordern.

Gleichzeitig aber hat der ANC das Los vieler Bürger verbessert: Es wurden neue Häuser gebaut, es gibt eine kostenfreie Gesundheitsversorgung, und Millionen Schwarze wurden in die Mittelschicht gehoben.

Noch gelingt es dem ANC, die Angriffe der EFF von links als auch von der wirtschaftsliberalen Democratic Alliance (DA) zu parieren: Kommenden Mittwoch, am 8. Mai, wählen die Südafrikaner sowohl ein neues Parlament als auch neue Provinzregierungen. Laut den Umfragen wird der ANC mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten und damit auf nationaler Ebene alleine weiterregieren können. Die DA kommt demnach auf rund 20, die EFF auf zehn Prozent, der Rest entfällt auf Kleinparteien.

Große Versprechen

Dass der ANC trotz der hohen Armut und der Korruptionsskandale unter Ex-Präsident Jacob Zuma weiterhin so viel Zuspruch erhält, hat vor allem drei Gründe, sagt der Politologe Christian von Soest vom deutschen Giga-Institut für Afrika-Studien: Die Oppositionsparteien können -auch wegen interner Streitigkeiten - viele Wähler nicht überzeugen. Zudem gebe es eine "historische Verbundenheit" zum ANC. "Deshalb gehen viele ältere Wähler, die die Apartheid noch selbst erlebt haben, lieber nicht wählen, als dass sie einer anderen Partei die Stimme geben", sagt der Südafrika-Experte zur "Wiener Zeitung". Und dann stehe mit Cyril Ramaphosa nun ein neuer Hoffnungsträger an der Spitze des ANC.