Dieser war schon ein Mitstreiter von Mandela, machte später als Geschäftsmann Millionen und stieß im Dezember 2017 nach einer Abstimmung den umstrittenen Vorgänger Zuma vom Thron. Obwohl Ramaphosa Zuma einst als Vizepräsident diente, geht er nun auf größtmögliche Distanz zu diesem. Der 64-Jährige verspricht, mit der Korruption, derer sich viele ANC-Funktionäre schuldig gemacht haben, aufzuräumen. Und er will die Wirtschaft, die während der Amtszeit von Zuma stagnierte, wieder ankurbeln.

Das Programm von Ramaphosa ist dabei im Kern ein sozialdemokratisches. Einerseits will er nämlich an staatlichen Sozialleitungen festhalten, und sie, sofern das Geld reicht, auch erhöhen. Andererseits sollen verstärkte Investitionen, auch aus dem Ausland, die Wirtschaft ankurbeln. Deshalb wird es unter Ramaphosa voraussichtlich auch keine groß angelegten entschädigungslosen Enteignungen, etwa von weißen Farmen, geben - auch wenn er den EFF symbolisch immer wieder entgegenkommt, um Druck abzufangen.

Ramaphosa muss nun liefern

"Das größte Problem ist für Ramaphosa aber in gewisser Weise seine eigene Partei", sagt von Soest. Denn diese ist tief gespalten. Auf der einen Seite stehen die Traditionalisten, auf der anderen die Reformer. Die Traditionalisten spielten unter Zuma eine große Rolle, sind vor allem in ländlichen Regionen zu finden, sozial konservativ und tendenziell Befürworter von Verstaatlichungen. Die Reformer leben oft in Städten, sind moderner und eher sozialdemokratisch orientiert. Rampahosa zählt zu den Reformern. Inwieweit er sein Programm und seine Personalpolitik durchsetzen kann, "wird stark davon abhängen, wie viel Rückenwind ihm das Wahlergebnis gibt", sagt von Soest.

Ramaphosa hat seiner Partei einen neuen Schub gegeben. Doch wenn es unter seiner Präsidentschaft keinen Entwicklungssprung gibt, dann wird der ANC über kurz oder lang wohl seine absolute Mehrheit verlieren.