Tripolis. Bei den Kämpfen um die libysche Hauptstadt Tripolis sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon fast 400 Menschen getötet worden. Mindestens 392 Menschen seien seit Beginn der Gefechte vor knapp einem Monat getötet und 1.936 weitere seien verletzt worden, teilte die WHO mit.

Mehr als 50.000 Menschen wurden durch die Kämpfe vertrieben, wie das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mitteilte. Die Zahl der Flüchtlinge sei "alarmierend", erklärte OCHA auf Twitter. Libyens Gesundheitsminister Othman Abdel Jalil teilte mit, die Behörden hätten 40 Auffanglager eingerichtet und 27 Schulen für die 55.000 Flüchtlinge geöffnet. Die meisten Familien sind demnach aber bei Verwandten und Freunden untergekommen.


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Offensive auf Tripolis

Der abtrünnige libysche General Khalifa Haftar hatte am 4. April eine Offensive auf Tripolis gestartet, wo die international anerkannte Regierung der nationalen Einheit ihren Sitz hat. Seitdem liefern sich regierungstreue Truppen und Einheiten Haftars erbitterte Kämpfe um die Kontrolle der Hauptstadt.

In dem nordafrikanischen Land herrscht seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die Regierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Haftar unterstützt eine Gegenregierung im Osten Libyens.

Journalisten vermisst

Seit Donnerstag werden zwei libysche Journalisten vermisst, die für den Fernsehsender Libya al-Ahrar über die Kämpfe um Tripolis berichtet hatten. Mohammed al-Gurj und Mohammed al-Shibani wurden nach Angaben ihres Senders in der Nähe von Tripolis von einer Haftar nahestehenden bewaffneten Gruppe gefangen genommen und an einen unbekannten Ort gebracht. Der Kontakt zu den beiden sei abgebrochen.

Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen wurden die beiden Journalisten nahe Assaidia rund 50 Kilometer südwestlich von Tripolis festgenommen. Reporter ohne Grenzen und der Sender forderten die sofortige Freilassung der Reporter. (apa, afp)