Panama Stadt. (wak) Rund acht Stunden brachen die riesigen Frachtschiffe, um den Panamakanal zu durchqueren. Kommen sie vom Atlantik, richten sie ihren Kurs südöstlich, kommen sie vom Pazifik, nimmt das Schiff Kurs Nordwest. Der Panamakanal erlaubt Schiffen die Querung in beide Richtungen.

Und es ist viel los im Panamakanal: Die am stärksten befahrene Route liegt zwischen der Ostküste der USA und Asien.

Die Transportroute US-Ostküste Richtung Südamerika ist die am zweitstärksten befahrene Route, macht allerdings weniger als der Hälfte der Transportmenge Ostküste/Asien aus.

Frachtschiffe aus Europa, die die Westküste der USA erreichen sollen, passieren ebenfalls den Kanal.

Aber es geht hier nicht nur um internationale Frachtwege: Auch der Transport zwischen Ost- und Westküste der USA wird über Panama geschleust.

Man kann also sagen, dass das kleine zentralamerikanische Land mit nur rund vier Millionen Einwohner tatsächlich an einer Schaltstelle der Weltwirtschaft sitzt. Eine Machtposition, die mit der Erweiterung des Panamakanals 2016 noch vergrößert worden ist.

Und so kommt es, dass die Wahl des Regierungsoberhaupts in Panama international deutlich stärker beobachtet wird als beispielsweise die Politik des benachbarten Costa Ricas, das eine Million Einwohner mehr hat.

Am Sonntag hat nun Panama gesprochen, und sich in einer engen Wahl für Laurentino "Nito" Cortizo ausgesprochen.

Cortizo gilt als Sozialdemokrat, er ist von dem PRD (Partei der demokratischen Revolution) und ist ein Freund der USA. Er studierte in Texas, arbeitete für die Organisation der Amerikanischen Staaten in Washington, und seine Kinder haben die US-Staatsbürgerschaft.

Cortizo machte gleich klar, wo auch geopolitisch seine Sympathien zu Hause sind: "Die USA sind unser strategischer Partner, sie sind unser größter strategischer Partner", erklärte Cortizo gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Und: "Das Verhältnis zu den USA muss sich verbessern.

Der scheidende Präsident Juan Carlos Varelas, der der konservativen Partei Panameñista angehört, hatte sich in seiner Amtszeit dafür entschieden, die Beziehungen mit China zu stärken.

Varelas hat die Beziehungen Panamas zu Taiwan gekappt, und dadurch 2017 den Weg für vertiefende Kontakte mit China frei gemacht. China sieht Taiwan als Teil der Volksrepublik an, die Insel dürfte in Augen Chinas keine eigenen diplomatischen Kontakte pflegen.

In Zentralamerika folgten daraufhin El Salvador und die Dominikanische Republik Panamas Beispiel, den Kontakt mit Peking zu vertiefen auf Kosten Taipehs.

Cortizos Vorgänger suchte die Verbindung nach China

Erst im Dezember 2018 besuchte Xi Jinping als erster Präsident der Volksrepublik China Panama. Dabei wurden verschiedene Investitionsabkommen unterzeichnet. Fotografischer Höhepunkt des Xi-Besuchs war, als Chinas Präsident mit einem Knopfdruck die Schleusen des Kanals für ein Container-Schiff der staatlichen chinesischen Reederei Cosco öffnete. Cosco ist einer der größten Kunden des Panamakanals.

Cortizo hat nun angekündigt, ein geplantes Infrastrukturprojekt mit China über Hochgeschwindigkeitszüge noch einmal zu überprüfen. Außerdem sollen Infrastrukturprojekte mehr lokale Arbeiter beschäftigen. Peking ist dafür bekannt, bei Projekten im Ausland die eigenen Arbeiter aus China mitzubringen.

"Wir wollen nicht dass ein Land einfach kommt, und uns etwas auferlegt", so Cortizo.

Die USA waren federführend bei der Errichtung beziehungsweise Ausgrabung des Panama-kanals Anfang des 20. Jahrhunderts. Washington hat erst 1999 formal die Herrschaft über das Nadelöhr an Panama abgetreten.

Der US-Dollar ist mit dem Kanalbau in Panama zu einer anerkannten Parallelwährung geworden, der Wechselkurs zum panamaeischen Balboa beträgt 1:1.

Nun appelliert Panamas Präsident in spe (er tritt mit Juli das Amt an) wieder an Washington. Es sei im eigenen Interesse der USA, Handel und Investitionen in Zentralamerika zu intensivieren, denn ansonsten könnte Chinas Einfluss immer stärker werden.

Cortizo hatte in der Vergangenheit allerdings auch Kritik an den USA geübt. Vor mehr als zehn Jahren, 2006, legte er sein damaliges Amt als Minister für Landwirtschaft nieder. Er protestierte damit gegen ein Handelsabkommen zwischen Panama und den USA, das nach Meinung Cortizos die Nahrungsmittelstandards Panamas aushöhlen würde.