Pretoria. Er wird liebevoll "Cupcake" genannt. Törtchen - das ist der Spitzname von Cyril Ramaphosa, des amtierenden Präsidenten Südafrikas. Die Bezeichnung haben ihm seine außerehelichen Affären eingebrockt, der Legende nach ist es ein Name, den er gerne seinen Geliebten gibt.

Aber das ist nur ein kleiner Aspekt des Charakters von Präsident Ramaphosa, der am Mittwoch in gewisser Weise zum ersten Mal als Staatsoberhaupt zur Wahl steht. Denn Ramaphosa hat erst vergangenes Jahr Langzeitpräsident Jacob Zuma an der Spitze Südafrikas beerbt.

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Denn nach einem erfolgreichen Misstrauensvotum musste Zuma nach neun Jahren an der Macht zurücktreten, die Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) kürte daraufhin ihren Vorsitzenden Ramaphosa zum Präsidenten. Am Mittwoch wählt Südafrika ein neues Parlament, und die Abgeordneten stimmen letztlich für den Präsidenten.

Wie viel Zuma klebt noch an Ramaphosa?

Es herrscht kein Zweifel, dass es Ramaphosa wird, doch die Frage ist, ob der ANC eher 62 Prozent bekommt, wie bei den vorangegangenen Parlamentswahlen 2014 oder eher 54 Prozent, wie bei den verheerenden Gemeindewahlen 2016, als der ANC die Mehrheit in Johannesburg und Pretoria verloren hatte.

Die Frage, die sich nun die südafrikanischen Wähler stellen müssen: Kann Ramaphosa den Geist des verstorbenen Präsidenten Nelson Mandela beschwören oder klebt zuviel Präsident Jacob Zuma an ihm?

Während der 2013 verstorbene Friedensnobelpreisträger Mandela in Südafrika auf ewig als Anti-Apartheid-Ikone hochgehalten werden wird, ist Jacob Zumas Name gleichbedeutend mit Korruption und Misswirtschaft.

Die Regierungspartei ANC ist seit 25 Jahren ununterbrochen im Amt. "Das ist zu lang für jede Partei in jedem Land", schreibt das Magazin "Economist".

Die Korruption unter Zuma hat sicher auch dazu geführt, dass
die Wahlbeteiligung am Mittwoch auf einem historischen Tiefstand fallen wird. Satte zehn Millionen Südafrikaner haben sich erst gar nicht für die Wahl registriert. Und gewöhnlich werden weitere fünf Millionen aus diversen Gründen der Urnen fernbleiben. Das bedeutet, dass fast ein Drittel der potenziellen Wähler in Südafrika so desillusioniert von der Politik sind, dass sie einen Gang ins Wahllokal als nicht lohnenswert empfinden.

Südafrika ist noch immer weltweit eines der Länder mit der höchsten Ungleichheit. Doch die Verteilungsversprechen des ANC haben bisher für die breite Bevölkerung wenig Früchte getragen, dafür konnte sich eine korrupte Oberschicht - speziell unter Zuma - bereichern. War der Slogan des ANC unter Mandela "ein besseres Leben für alle", so wäre er unter Zuma wohl "ein besseres Leben für den Präsidenten und seine Kumpanen" gewesen, schreibt der "Economist".