Washington/Venedig. (dpa) Brian Hook meldet Vollzug. Der Sondergesandte des US-Präsidenten Donald Trump für den Iran fasst die Situation ein Jahr nach dem Austritt der USA aus dem internationalen Atom-Deal so zusammen: "Bei fast jeder Messzahl ist der Iran heute schwächer als er es vor zwei Jahren war, als wir ins Amt kamen." Es klingt nach einem Erfolg, ist aber symptomatisch für die Außenpolitik der Regierung Trumps, die inzwischen von zwei Außenministern und drei Nationalen Sicherheitsberatern mitbestimmt wurde: Länder, die Washington als Feinde identifiziert, werden geschwächt. Eine nachhaltige Konfliktlösung aber fehlt genauso wie eine umfassende außenpolitische Strategie.

Beim Thema Nordkorea hat sich Trump beim Gipfel in Hanoi festgefahren. In Venezuela hatte Washington recht unverhohlen einen Putschversuch unterstützt. Das Militär, das gegen die Regierung des linken Präsidenten Nicolas Maduro putschen sollte, putschte nicht. Den "Jahrhundert-Deal", mit dem Trump den Nahost-Konflikt lösen will, gibt es noch immer nicht. Im Iran verschärfte Trump unter dankbarer Entgegennahme israelischer Argumentationshilfe den Konflikt, den die internationale Gemeinschaft gerade im Begriff war, zu mildern, vielleicht sogar irgendwann zu lösen. Der Iran hatte sich, selbst nach US-Lesart, drei Jahre lang genau an die Vorgaben aus dem Atom-Deal gehalten - für Außenpolitiker in Europa ein Signal unter dem vergleichsweise moderaten Präsidenten Hassan Rouhani, dass das Land auch bei anderen Themen Gesprächsbereitschaft zeigen könnte.

Ausgerechnet in eine Phase der Hoffnung hinein kommt die Brüskierung aus Washington, gegen den Rat der Verbündeten in Europa. Außenminister Mike Pompeo, in der Iran-Frage ursprünglich noch zurückhaltender als Sicherheitsberater John Bolton, nahm erneut das Wort "Krieg" im Zusammenhang mit dem Iran in den Mund. "Unsere Zurückhaltung bis jetzt sollte vom Iran nicht mit einem Mangel an Entschlossenheit verwechselt werden."

Gewalt als Mittel der Politik

Dass Trump außenpolitisch die harte Linie wählt, ist keine Überraschung. Nur ein Jahr nach Amtsantritt hat er sein außenpolitisches Personal ausgewechselt. Diejenigen, die einst als "Erwachsene" im häufig als chaotisch skizzierten Regierungsapparat empfunden wurden, mussten gehen. Außenminister Rex Tillerson wich dem rechtskonservativen Tea-Party-Mann Mike Pompeo. Und der moderate General Herbert Raymond McMaster räumte sein Amt als Nationaler Sicherheitsberater für einen alten Bekannten: John Bolton.