San Francisco/Berlin/Hongkong/Wien. China schlägt im Zollstreit mit den USA zurück. Das Finanzministerium erklärte am Montag, die Volksrepublik plane ab Juni die Einführung von Importzöllen auf amerikanische Waren im Volumen von 60 Milliarden Dollar (53,29 Milliarden Euro). Davon seien insgesamt 5140 Produkte betroffen. US-Präsident Donald Trump hatte Chinas Führung kurz davor gewarnt, auf die jüngsten amerikanischen Strafzölle mit Vergeltungsmaßnahmen zu reagieren. Die Regierung in Washington bereitet bereits auf alle übrigen Einfuhren aus der Volksrepublik höhere Abgaben vor. Dabei geht es um Waren im Wert von etwa 300 Milliarden Dollar.

Mit der Androhung eines ausgewachsenen Zollkrieges an die Adresse Pekings hat Trump Spekulationen auf eine Zinssenkung in den Vereinigten Staaten befeuert. Auch die Notenbank Fed spielt diese Option bereits öffentlich durch: Der Chef der Fed von Atlanta, Raphael Bostic, will einen solchen Schritt nicht ausschließen, falls Trump praktisch den gesamten Handel mit der Volksrepublik mit Zöllen belegen sollte. "Das wäre der Startschuss für einen regelrechten Handelskrieg", warnt der stellvertretende Chefvolkswirt der Allianz, Ludovic Subran. Er prognostiziert, dass dann der Welthandel sogar schrumpfen würde.

"Die Zölle verkomplizieren alles dramatisch"

"Sollten alle von Trump angedrohten Zölle gegen China erhoben werden, würden die Zollmauern auf eine Höhe steigen, die zuletzt vor einem halben Jahrhundert zu beobachten war", sagt Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. An den Märkten wird nun angesichts dieser Aussichten verstärkt darüber spekuliert, dass die Fed Ende des Jahres den Leitzins kappen könnte. Sie hatte ihn im Dezember auf die neue Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent erhöht und danach wegen der unsicheren Konjunkturaussichten eine Pause eingelegt. Laut US-Notenbankchef Jerome Powell gibt es derzeit zwar keinen Grund, am Leitzinsniveau zu rütteln. Doch dies könnte sich aus Sicht von Experten ändern, wenn der Handelskonflikt eskaliert: "Die Zölle verkomplizieren alles dramatisch", meint Analyst Michael Hanson vom Finanzhaus TD Securities.

Sollte sich tatsächlich ein schrumpfender Welthandel abzeichnen, werde die Fed wohl um eine Zinssenkung nicht herumkommen, so der Experte. Aber auch Krisensymptome in den USA könnten die Notenbank seiner Ansicht nach zu einem solchen Schritt bewegen: Dazu gehörten eine Eintrübung auf dem seit langem boomenden Arbeitsmarkt oder Konsumzurückhaltung der Verbraucher - die das Wachstum in den USA mit ihrer Kauffreude seit Jahren befeuern. Dabei wird einer der entscheidenden Faktoren sein, wie stark höhere Zölle auf chinesische Produkte vom Spielzeug bis zum Smartphone auf die Preise durchschlagen. "Höhere Importzölle werden die Produkte in den USA – sowohl für die dortigen Unternehmen als auch Konsumenten – verteuern und die Inflation höher treiben", sagt Analyst Bernd Krampen von der NordLB voraus.