Trump behauptet, die USA nähmen Zölle von China in zweistelliger Milliardenhöhe ein. Doch die Zölle werden nicht von der chinesischen Regierung oder Firmen mit Sitz in China gezahlt, sondern von Importeuren chinesischer Güter. Das sind in der Regel US-Firmen oder in den USA registrierte Töchter ausländischer Unternehmen. Diese wiederum reichen die Kosten häufig an ihre Kunden weiter, die überwiegend Hersteller und Verbraucher in den USA sind.

Effekte "beträchtlich"

Nach Berechnungen der regionalen Fed in San Francisco würde ein genereller US-Zoll von 25 Prozent auf chinesische Produkte die Verbraucherpreise um 0,3 Prozentpunkte und die Investitionskosten der Unternehmen sogar um einen vollen Prozentpunkt in die Höhe treiben: Die Notenbank hält diese Inflationseffekte für "beträchtlich", allerdings auch für nur vorübergehend.

Manche Experten erwarten daher, dass selbst ein größerer Anstieg der Inflation die Währungshüter nicht aus der Reserve locken dürften, zumal der Preisauftrieb für einen Aufschwung bislang eher gemäßigt ausgefallen ist. Anders sei es, falls die Verbraucher tatsächlich in einen Käuferstreik treten und sich damit die Wachstumsaussichten eintrüben sollten. Auf den privaten Verbrauch entfallen schließlich rund zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes der weltgrößten Volkswirtschaft.

Für Ökonom Bart Hobijn von der Arizona State University, der an der Studie der Fed von San Francisco mitgewirkt hat, ist es nicht ausgemacht, dass die Zölle den Amerikanern die Kauflaune verderben werden. Denn Verbraucher könnten von teureren Produkten die Finger lassen und stattdessen zu billigeren greifen. "Wie stark dieser Austausch ins Gewicht fällt, ist schwer vorherzusagen. Doch er wird zumindest zum Teil die inflationären Effekte der Zölle wettmachen", meint Hobijn. Ob sich die Fed also tatsächlich zu Zinssenkungen durchringen wird, bleibt letztlich also abhängig von der Entwicklung der Konjunktur. (reuters/Jason Lange/Ann Saphir/Reinhard Becker)

Auswirkungen auch auf Österreichs Kfz-Industrie

Angesichts der Eskalation im Handelsstreit zwischen China und den USA wächst auch in heimischen Wirtschaftskreisen die Sorge vor einem möglichen Rundumschlag von US-Präsident Donald Trump, der die EU mit höheren Zöllen auf Autos treffen könnte. Andererseits gilt auf Trump bezogen wie so oft auch "nobody knows" ("niemand weiß", Anm.), sagt Michael Löwy von der Industriellenvereinigung (IV).

"Die Eskalation, die jetzt stattfindet, ist grundsätzlich negativ zu bewerten", sagte der IV-Bereichsleiter für internationale Beziehungen am Montag im Gespräch mit der APA. "Es stellt sich die Frage, ob sich die Spirale mit Kfz-Zöllen gegen Europa weiterdreht. Das wäre klarerweise ein Schlag ins Herzstück der europäischen Industrie, der auch die heimischen Zulieferer treffen würde", so Löwy.