Doch die Trump-Regierung drückte stets die Augen zu. Immerhin war Orban der erste europäische Politiker, der dem US-Präsidenten 2016 zu dessen Wahlsieg gratuliert hatte. Als Budapest zwei Jahre später gegen die von George Soros gesponserte liberale Zentraleuropäische Universität vorging, war nur ein verhaltenes kurzes Murren aus dem State Department zu vernehmen. Ein ursprünglich geplantes US-Programm zur Förderung freier Medien in Ungarn wurde wieder abgeblasen.

Dennoch dauerte es, bis eine Einladung des Weißen Hauses auf Orbans Schreibtisch landete. Sein letzter Besuch im Oval Office fand 1998 statt; Orban, damals ein junger Zentralist, warb bei Bill Clinton für einen Nato-Beitritt, um die einstige Sowjetrepublik aus Russlands Umklammerung zu befreien. Der Beitritt erfolge im Jahr darauf.

Keine Freude an Pro-Putin-Kurs

Heute, genau 20 Jahre später, zählt der Budapester Politiker zu den größten Bewunderern Wladimir Putins und dessen autokratischem Regierungsstil. Der US-Administration sind die engen Banden zu Moskau - anders als die Demokratiedefizite - ein echter Dorn im Auge. US-Außenminister Mike Pompeo brachte seinen Unmut über den wachsenden Einfluss Russlands und auch Chinas gegenüber dem osteuropäischen Land mehrmals deutlich zum Ausdruck. Viele Beobachter sind überzeugt, dass Trump seinen Gast daher ermahnt hat, den außenpolitischen US-Interessen in Ungarns Diplomatie künftig mehr Priorität einzuräumen.

Bisher zeigte sich Budapest gegen Druck aus Washington allerdings immun. So will Orban trotz heftiger US-Proteste der obskuren russischen Entwicklungsbank IBB (International Investment Bank), die von einem hochrangigen Ex-KGB-Agenten geführt wird, Immunitätsstatus gewähren, um deren Hauptsitz nach Budapest zu holen; dem ehemaligen Chef der russischen Auslandsaufklärung, Sergej Naryschkin, und seiner Familie soll die Regierung in Budapest ungarischen Medienberichten zufolge im Austausch für den Kauf ungarischer Staatsanleihen großzügig EU-Aufenthaltstitel gewährt haben; für Ärger sorgte auch, dass Ungarn zwei von den USA gesuchte russische Waffenhändler nach Moskau statt in die USA auslieferte. Gesprächsstoff hätten Orban und Trump trotz ihres guten Verhältnisses jedenfalls genügend gehabt.