Wien. Heute vor einem Jahr sind in Saudi-Arabien mehrere Aktivisten und Aktivistinnen inhaftiert worden, die für die Rechte von Frauen eintraten. Sie hätten einen furchtbaren Leidensweg in willkürlicher Gefangenschaft, ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand und ohne Besuche von Familienangehörigen hinter sich. Darin erinnerte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International am Mittwoch.

Der heutige Tag markiere ein "Jahr der Schande", so Lynn Maalouf, Rechercheleiterin für den Nahen Osten bei Amnesty International in einer Aussendung. Viele Aktivisten in Saudi-Arabien - auch Journalisten oder Intellektuelle - stünden vor einer Gefängnisstrafe für ihren friedlichen Einsatz für Grundrechte.


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Amnesty-Bericht
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Ohne Anklage

Während mehrere der im Mai 2018 inhaftierten Frauen in den vergangenen zwei Monaten vorläufig auf freien Fuß gesetzt worden seien, befänden sich andere nach wie vor im Gefängnis. Nassima al-Sada und Samar Badawi etwa würden seit Juli 2018 ohne Anklage festgehalten.

Im November des Vorjahres brachte Amnesty International Berichte über Folter und sexuelle Gewalt an gefangen gehaltenen Bürgerrechtlern an die Öffentlichkeit. Zuletzt seien die Behörden der absoluten Monarchie heuer im April erneut gegen Menschenrechtsaktivisten vorgegangen und hätten 14 von ihnen eingesperrt. Ebenfalls im April sei es zur bisher jüngsten Massenhinrichtung von 37 Menschen in Saudi-Arabien gekommen.

Schande für die Verbündeten Saudi-Arabiens

"Das ist auch ein Tag der Schande für die engsten Verbündeten Saudi-Arabiens, die USA, Großbritannien und Frankreich. Statt ihren Geschäften und ihrem Handel mit Kriegswaffen Priorität zu geben, sollten sie kompromisslos - und öffentlich - Druck auf die saudi-arabischen Behörden ausüben, damit sie alle Menschen, die dafür bestraft werden, dass sie friedlich ihre Meinung zum Ausdruck gebracht haben, ohne Bedingungen freilassen", erklärte Maalouf.

Erst seit knapp einem Jahr ist es in Saudi-Arabien Frauen gestattet, ein Auto zu lenken. Nach wie vor benötigen Frauen dort aber für Reisen, ein Studium oder die Ausübung bestimmter Berufe die Zustimmung ihres Vaters, Bruders, Ehemannes oder gar Sohnes. (apa)