Washington/Teheran. Die US-Führung setzte zuletzt auf verbale Abrüstung. Man strebe "grundsätzlich" keinen Krieg mit dem Iran an, beteuerte Außenminister Mike Pompeo in Moskau. Beschwichtigungssignale kamen auch aus Teheran. Gleichzeitig drehen beide Staaten aber weiter an der Eskalationsspirale. Die amerikanischen Streitkräfte erhöhten die Alarmbereitschaft für ihre Anti-Terror-Kräfte in der Region, Irans Führung setzte Teile des internationalen Atomabkommens aus. Die Gefahr eines militärischen Schlagabtauschs wächst - mit unkalkulierbaren Folgen. Man sei auf alle Szenarien vorbereitet, von "Konfrontation bis Diplomatie", erklärte ein Vertreter von Irans Führung am Mittwoch.

Wenige Stunden davor hatten die USA den Abzug eines Großteils ihrer Diplomaten aus dem Irak angeordnet. Das US-Außenministerium verwies zur Begründung auf die Bedrohung durch "USA-feindliche konfessionelle Milizen" im Irak. Alle nicht unbedingt benötigten Mitarbeiter der Botschaft in Bagdad und des Konsulats in Erbil sollten das Land verlassen, hieß es mit Verweis auf Terror- und Rebellengruppen.

Der Schritt erfolgt wenige Tage nach einem Besuch von US-Außenminister Miko Pompeo in Bagdad, bei dem er von einer "sehr konkreten" Gefahr iranischer Angriffe gesprochen hatte. Zuvor hatten US-Geheimdienste nach Informationen aus irakischen Sicherheitskreisen Hinweise erhalten, dass vom Iran unterstützte Schiitenmilizen Raketenwerfer in der Nähe von Stützpunkten in Stellung brachten, auf denen amerikanische Truppen untergebracht sind. Pompeo habe die irakische Generalität aufgefordert, die Milizen unter Kontrolle zu halten. Andernfalls würden die USA mit Waffengewalt reagieren.

Sowohl der irakische Ministerpräsident Mahdi als auch der britische General Chris Ghika, der im US-geführten Einsatz gegen die Extremistenmiliz IS in der Region Dienst tut, widersprachen den US-Angaben, wonach es eine erhöhte Bedrohung durch proiranische Kräfte im Irak gebe. Auch die beschuldigten schiitischen Hashd-al-Shaabi-Milizen zeigten sich verwundert. "Die amerikanischen Behauptungen sind grundlos. Sie erinnern an die große Lüge der Massenvernichtungswaffen im Irak", sagte der Sprecher der Gruppe Asaib Ahl al-Haq in Anspielung auf die Ereignisse von 2003, als die angebliche Bedrohung durch ABC-Waffen den Vorwand für den US-Einmarsch im Irak geliefert hatte.

Ein weiterer Mosaikstein

Die USA haben derzeit etwa 5200 Soldaten im Irak. Die Hashd-al-Shaabi-Milizen (Volksmobilisierungseinheiten), als deren Teil sich die meisten Schiitenmilizen verstehen, zählen etwa 150.000 Mann. Sie wurden von Irans Revolutionsgarden zum Kampf gegen den IS ausgebildet und haben ihren Einfluss im Irak seither sukzessive ausgebaut. Inzwischen wurden sie Teil der irakischen Sicherheitskräfte, operieren aber weiterhin eigenständig.