Tokio. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat einen Dialog mit den USA zum Abbau der aktuellen Spannungen ausgeschlossen. "Nein, es gibt keine Möglichkeit für Verhandlungen", sagte Zarif vor Journalisten nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo am Donnerstag in Tokio.

Demnach war er gefragt worden, ob er offen für bilaterale Gespräche mit Washington sei, um die Spannungen abzubauen.

Spannungen massiv verschärft

US-Präsident Donald Trump hatte sich zuvor zuversichtlich gezeigt, dass der Iran "bald" zu Verhandlungen bereit sei. Trump hatte die Führung in Teheran wiederholt aufgefordert, ihn anzurufen, um nach seinem einseitigen Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen von 2015 eine neue Vereinbarung zu treffen. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei, der Verhandlungen seit jeher skeptisch sieht, lehnte neue Gespräche ab.

Ein Jahr nach Trumps einseitiger Kündigung des Atomabkommens haben sich die Spannungen mit dem Iran massiv verschärft. Unter Verweis auf eine "unmittelbare Bedrohung" durch proiranische Milizen im Irak verstärkten die USA ihre Militärpräsenz in der Golfregion. Nach der Verhängung weiterer Sanktionen durch Washington kündigte der Iran zudem Anfang Mai an, bestimmte Bestimmungen des Atomabkommens nicht länger einzuhalten.

Iran trifft Vorbereitungen zur Erhöhung der Uranproduktion 

Und so hat der Iran hat am Donnerstag angekündigt, Vorbereitungen zur Erhöhung der Produktion von angereichertem Uran und schwerem Wasser zu treffen. "Der Prozess zur Erhöhung der Kapazität und des Produktionsrhythmus von angereichertem Uran und schwerem Wasser hat am Tag begonnen, als der Präsident dies angeordnet hat", sagte ein Sprecher der Iranischen Atomenergiebehörde, Behrus Kamalwandi, am Donnerstag laut der Nachrichtenagentur Isna.

Präsident Hassan Rouhani hatte am 8. Mai angekündigt, dass der Iran nicht länger die Begrenzungen bei den Beständen von angereichertem Uran und schwerem Wasser einhalten werde, die in dem internationalen Atomabkommen von 2015 vereinbart worden waren.

"Iran sieht sich nicht länger an diese Obergrenzen gebunden" 

Das Atomabkommen sollte sicherstellen, dass der Iran nicht die Fähigkeiten zur Herstellung einer Atombombe erwirbt. Gemäß der Vereinbarung reduzierte der Iran sein Atomprogramm deutlich. Im Gegenzug wurden die im Atomstreit verhängten Finanz- und Handelsbeschränkungen aufgehoben. Laut dem Deal darf der Iran maximal 130 Tonnen schweres Wasser und 300 Kilogramm um 3,67 Prozent angereichertes Uran besitzen.

Mengen, die diese Grenzwerte überschreiten, sollten exportiert werden. Die USA annullierten jedoch jüngst eine Ausnahmeregelung für den Export von Uran und schwerem Wasser und erschwerten damit ihre Ausfuhr. "Iran sieht sich nicht länger an diese Obergrenzen gebunden", sagte Kamalwandi nun. Wenn der Iran diese Grenzen überschreite, sei das nicht sein Problem sondern jenes der Mitunterzeichnerstaaten des Abkommens.

Rouhani hatte vergangene Woche gewarnt, der Iran werde weitere Maßnahmen ergreifen, wenn die Mitunterzeichnerstaaten ihm nicht binnen 60 Tagen entgegenkommen. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China wollen an dem Atomabkommen festhalten, haben jedoch nicht verhindern können, dass der Großteil ihrer Unternehmen aus Angst vor den US-Sanktionen ihre Geschäftskontakte mit dem Iran abgebrochen hat. (apa, afp)