Sotschi. Bundespräsident Alexander Van der Bellen steigt die Treppen zum 1937 im neoklassischen Stalin-Empire-Stil gebauten "Zimniy Theater" (Winter-Theater) in Sotschi hoch. Die ionischen Säulen leuchten in der Frühlingssonne, das Gebäude ist eines der Prunkstücke der 300.000-Einwohner-Stadt an der Schwarzmeerküste.

Es ist der erste Besuch Van der Bellens in Russland als Bundespräsident. Van der Bellen wird vom Bürgermeister der Stadt, Anatoli Pachomow, begleitet. Im Theater erwartet Van der Bellen eine kurze Musikeinlage eines Kosakinnenchors. Die Mitarbeiterin des 1937 im Stalin-Empirestil errichteten Theaters erzählt Van der Bellen von Stalins Loge, die über einen Extra-Eingang und eine direkte Telefonleitung in den Kreml verfügte. Überhaupt: Josef Wissarionowitsch Stalin (1878-1953) gilt als "Taufpate von Sotschi", der Bau des Theaters und vieler weiterer wichtiger Gebäude in der Stadt geht auf den Sowjet-Diktator zurück. Während in weiten Teilen des Landes Stalin- und Lenin-Büsten nach dem Ende der UdSSR verräumt wurden, im Foyer des Theaters steht noch eine Stalin-Büste. Der Stalin-Diktatur fielen Millionen Menschen von 1927 bis 1953 Millionen Menschen zum Opfer, gleichzeitig gilt er als jener Mann, der die Sowjetunion im "Großen Vaterländischen Krieg" gegen die Hitler-Diktatur zum Sieg führte. In Sotschi zählt zweiteres mehr als ersteres.


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Vertiefung der russisch-österreichischen Beziehungen

Am Nachmittag wird Van der Bellen den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen – und auch Putin ist ein ausgesprochener Förderer der Stadt.

Die olympischen Winterspiele 2014 haben Sotschi in aller Welt bekannt gemacht und in der Stadt seien neue Gebäude, Stadien und viel Infrastruktur errichtet worden. "Wladimir Wladimirowitsch hat unglaublich viel für diese Stadt getan - dafür, dass sie ein ganzjähriger Urlaubsort wurde", sagt Bürgermeister Pachomow. Nicht zuletzt ist Sotschi heute so etwas wie das Putins Mar-a-Lago, ein zweiter Amtssitz des Präsidenten in der Sonne, fernab der Hauptstadt. Hier, in Sotschi, hat Putin am Gelände des Sanatoriums Rus seine Frühjahrsresidenz. Auch bei der nächsten Station des Besuchs von Van der Bellen, der Visite der Sankt-Michaels-Kathedrale, einer der ältesten orthodoxen Kirchen in der russischen Schwarzmeerregion, kommt das Gespräch auf Stalin. Der Bundespräsident, seine Frau Doris Schmidauer und Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) entzünden dort Kerzen, der Pope erzählt seinen den österreichischen Gästen, dass die Kirche 1934 geschlossen und erst 1944 wiedereröffnet worden sei: Jahrzehntelang sei die Sankt-Michaels-Kathedrale der einzige Ort in Sotschi gewesen, wo orthodoxe Christen ihre Beichte ablegen konnten.