Bevor Van der Bellen und Putin auseinandergingen, übten sie noch gemeinsam den Vorsitz bei der Gründungssitzung des Steuerungskommittees des Sotschi-Dialogs aus.

Die österreichische Wirtschaftsdelegation bestand aus rund 20 Personen: Vertreter aus einer Reihe von Branchen – darunter Tourismus, Banken, Umwelttechnologien – waren vertreten, den Vorsitz führte der frühere Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl.

In der Kulturdelegation, die von der Chefin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler, angeführt wird, ist auch Boris Marte von der Erste-Stiftung, Mathias Naske vom Wiener Konzerthaus, Christian Kircher von der Bundestheater-Holding, Karl Regensburger vom Tanzfestival Impulstanz, Markus Huber, CEObei RDI Digital und Dimitry Aksenov vom Russischen Verein der Freunde der Salzburger Festspiele, Martin Hochleitner vom Salzburg-Museum, Benedikt Föger vom Hauptverband der österreichischen Verleger und Wolfgang Fischer von der Wiener Stadthalle. Von den österreichischen Delegierten war zu hören, dass es großes Interesse an der Vertiefung und Verbreiterung der Zusammenarbeit mit russischen Kulturinstitutionen gibt, die Kulturinstitutionen aber gleichzeitig keine Vereinnahmung für irgendwelche Formen der "Staatskultur" wollen. Und das gilt ja auch für viele der potenziellen russischen Gesprächspartner. Also suchen beide Seiten nach Themen, die sich für einen Dialog anbieten. Die Frage der "Identitätfindung" sei eine, die in beiden Ländern eine Rolle in der Kunst und Kultur spiele.

Von den 38 Personen, die am Verhandlungstisch Platz genommen hatten, waren insgesamt nur fünf Frauen (alle gehörten der Kultur-Arbeitsgruppe an). Bei der Durchmischung des Sotschi-Dialogs gibt es offenbar noch einigen Handlungsbedarf.

Den Abschluss bildete ein klassisches Konzert im Konzertsaal der Sirius-Stiftung in Sotschi. Gegeben wurden "Superhits", wie Arien aus der "Kleinen Nachtmusik" von Wolfgang Amadeus Mozart oder "Im Prater blüh‘n wieder die Bäume" von Robert Stolz geboten, dazwischen russische Klassiker von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Am Chello war auch Putins Jungendfreund Sergej Roldugin, der in den Panama-Papersals jener Mann genannt wird, in dessen Briefkastenfirmen viele Millionen Dollar geflossen sind. Die Firmen in diesem Netzwerk besaßen nach Berichten der "Süddeutschen Zeitung" Aktienoptionen für einige der wichtigsten Konzerne Russlands, über sie flossen Kredite in dreistelliger Millionenhöhe.

Doch am Ende spielte das Sotschi-Symphonieorchester den Radetzymarsch, das Publikum klatschte begeistert mit, genau wie beim Neujahrskonzert im Musikverein, fast vermisste man nach den letzten Klängen den Gruß: "Prosit Neujahr!"