Ouagadougou/Wien. Die Regenzeit wird von Jahr zu Jahr kürzer, die Böden werden trockener, die Ernteausfälle häufen sich. Vor allem der Norden von Burkina Faso ist betroffen. Die Zahl der Klimaflüchtlinge, die in die südlichen Regionen des Binnenlandes in Westafrika strömen, nimmt zu. Auch die Sicherheitslage hat sich verschlechtert. Die Soziologin Odette Savadogo und der Ökonom Didier Ouedraogo haben es sich zum Ziel gemacht, der Klimakrise entgegenwirken. Über Maßnahmen und Zukunftshoffnungen erzählen sie in folgendem Gespräch:

"Wiener Zeitung:" Frau Savadogo, Herr Ouedraogo, welche Jahreszeiten gibt es in Burkina Faso?

Didier Ouedraogo: Grundsätzlich gibt es in Burkina Faso zwei Jahreszeiten, eine Regenzeit, die maximal vier Monate, von Juni bis maximal Oktober, andauert und eine Trockenzeit.

Die Dauer der Regenzeit hat in Burkina Faso abgenommen. Die Böden werden härter, die Ernteausfälle nehmen zu. - © Ocades
Die Dauer der Regenzeit hat in Burkina Faso abgenommen. Die Böden werden härter, die Ernteausfälle nehmen zu. - © Ocades

Wie oft regnet es in der Regenzeit? Wie kann man sich das vorstellen?

Ouedraogo: Es regnet nicht jeden Tag, es kann auch mal fünf Tage in dieser Zeit nicht regnen.

Wie war das Wetter, als Sie beide Kinder waren?

Odette Savadogo: Als ich ein Kind war, gab es bis zu fünf Monate Regen im Jahr. Das hat sich im Laufe der Zeit sehr stark verändert. Die Dauer der Regenzeit hat abgenommen.

Welche Regionen sind besonders betroffen?

Savadogo: Im Norden des Landes hat der Regen im vergangenen Jahr bereits im August aufgehört. Das war nicht ausreichend.

Was waren die Auswirkungen dieser verkürzten Regenzeit?

Savadogo: Es konnten nicht genügend landwirtschaftliche Erträge eingefahren werden. Die Böden sind sehr trocken, ihre Bearbeitung ist sehr hart. Oftmals gibt es nicht die notwendigen Werkzeuge. Erschwert wird die Situation durch starke Sonneneinstrahlung. Durch diese Umstände konnten die Menschen ihre Nahrung nicht für das ganze Jahr sichern. Es gab weniger Mahlzeiten am Tag, das führte zu Beeinträchtigungen vor allem bei Kindern, die an einer Mangelernährung leiden. Die verkürzte Regenzeit führte zu einer starken Abwanderung aus den nördlichen Gebieten in den Süden, wo die Böden noch fruchtbarer sind.

Was gibt es noch zu essen?

Savadogo: Es kommt darauf an, was die Menschen ernten. Meistens essen sie Hirse, Mais mit verschiedenen Saucen.

Wie reagiert der Staat auf die Hungersnot?

Ouedraogo: Der Grundwasserspiegel sinkt. Reis und Zuckerrohr benötigen aber Wasser für den Anbau. Da es nicht ausreichend vorhanden ist, muss der Staat verstärkt Reis und Zucker importieren, zumeist aus dem asiatischen Raum.

Welche Möglichkeiten gibt es, Ernteausfälle zu verhindern?

Savadogo: NGOs entwickeln Strategien und Maßnahmen, wie etwa die Zeittechnik, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann. Ein Bauer aus Burkina Faso, Yacouba Sawadogo, hat übrigens für seinen Einsatz diese Technik zu verbreiten, im Vorjahr den alternativen Nobelpreis bekommen.