Neu Delhi/Wien. (klh) Bollywoodstars, Models, Sportler oder sonstig Prominente: Zahlreiche Stars und Sternchen in Indien hielten in den vergangenen Wochen ihre mit Farbe markierten Zeigefinger in die Kamera. Die Botschaft: Auch ich habe meine Bürgerpflicht erfüllt und war wählen.

Die Inder haben über ihr neues Parlament abgestimmt. Und weil der logistische Aufwand dafür in diesem riesengroßen Land mit 900 Millionen Einwohnern immens groß ist, wurde der Urnengang über sechs Wochen in mehreren Etappen abgehalten. Gewählt wurde wahrlich überall: In verschneiten Siedlungen am Himalaja wie in abgelegenen Dörfern im Dschungel. Indien ist stolz darauf, dass der Staat keine Kosten und Mühen scheut, es jedem seiner Bürger zu ermöglichen, seine Stimme abzugeben.

Am Sonntag sind die Wahlen dann beendet worden, am Donnerstag werden die ersten belastbaren Ergebnisse erwartet. Aber immerhin gibt es bereits die Daten der Nachwahlbefragungen, und diese sprechen eine deutliche Sprache: Der regierenden hindunationalistischen Bharatiya-Janata-Partei (BJP) von Premierminister Narendra Modi und ihren Verbündeten werden zwischen 282 und 313 Parlamentsmandate vorhergesagt. Das sind nicht ganz so viele Sitze wie bei der letzten Wahl 2014, damals waren es für die BJP und ihre Partner 336. Insgesamt besteht das Unterhaus aus 543 Mandataren. Die oppositionelle Kongresspartei, die jahrzehntelang Indiens dominierende Partei war, könnte Prognosen zufolge zwar fast 100 Sitze erobern, wäre von einer Regierungsbeteiligung aber weit entfernt. Allerdings kann sich hier noch einiges verschieben, die Umfragen gelten in Indien als sehr unzuverlässig.

Der Wahlkampf war äußerst schmutzig verlaufen. Modi und sein Kontrahent Rahul Gandhi, der die Kongress-Partei führt, hatten sich nahezu täglich beleidigt. So bezeichnete der Premier seinen Herausforderer als "Narr", Gandhi nannte wiederum Modi einen "Dieb".

Feierlaune an der Börse

Zudem tätigten zahlreiche Politiker der BJP aggressive Aussagen gegen Moslems. Für besonderes Aufsehen sorgte die hinduradikale Politikerin Pragya Thakur von der BJP. Sie hatte den Mörder von Mahatma Gandhi als "Patrioten" bezeichnet. Gandhi, der Vater der indischen Unabhängigkeit, war im Jänner 1948 von einem Hindunationalisten umgebracht worden. Die Politikerin entschuldigte sich schließlich. Für ihre Aussage war sie auch innerhalb der BJP heftig kritisiert worden.

Sonst war der Wahlkampf der BJP ganz auf Modi zugeschnitten. Er präsentierte sich als starker Mann, der die Interessen Indiens und vor allem der Hindus schützt. In die Hände spielte ihm dabei, dass der Konflikt mit Pakistan in den vergangenen Monaten wieder einmal hochkochte. Das nutzte seinem Image als Schutzherr der Nation.

Sonst betont Modi gerne, dass die Wirtschaft unter seiner Regentschaft gewachsen sei. Kritiker verweisen aber darauf, dass die Armen davon nicht so profitiert haben, wie es ihnen versprochen wurde.

Anleger und Investoren setzte wiederum Aussicht auf die Wiederwahl von Modi in Feierlaune. "Das sichert Kontinuität und die notwendige Stabilität", sagte Analyst Rushabh Maru vom Brokerhaus Anand Rathi. "Dies zieht langfristig orientierte Anleger an."

Der Trend an den Finanzmärkten zeigte nach oben: Die Börsenbarometer Sensex und Nifty 50 stiegen am Montag um jeweils knapp vier Prozent und steuerten auf den größten Tagesgewinn seit zehn Jahren zu.