London/Washington. (wak) Ein Sprichwort besagt: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich die nächste. Für London schließt sich dank Brexits der Binnenmarkt der EU - und eröffnet die Möglichkeit einer verstärkten Zusammenarbeit mit den USA. Mehr Souveränität, keine Diktate von außen.

So weit die graue Theorie. Womit die Brexiteers, die eine glorreiche Zukunft ohne der EU versprochen hatten, nicht gerechnet haben, ist der eine Mann, der am Montag zu einem offiziellen Staatsbesuch in Großbritannien landete. US-Präsident Donald Trump ist dafür bekannt, dass er sich gerne in interne Angelegenheiten fremder Nationen einmischt. Er sprach sich etwa am Wochenende dafür aus, dass Boris Johnson nächster Premierminister in Großbritannien wird - Theresa May tritt am Freitag offiziell zurück. Im selben Interview nannte er Duchess Meghan, die nunmehrige Mutter des jüngsten Enkels der Queen, "eklig", weil sich die US-Bürgerin im US-Wahlkampf 2016 gegen Trump ausgesprochen hatte.

Bereitstellen für das Gruppenfoto mit der Queen (in Türkis). - © reuters
Bereitstellen für das Gruppenfoto mit der Queen (in Türkis). - © reuters

Und kurz vor Abflug hatte Trump zudem den Bürgermeister von London, Sadiq Khan, per Twitter einen Totalversager genannt. Das war die Retourkutsche, nachdem Khan Trumps Verwendung von Sprache mit jener von Faschisten aus dem 20.Jahrhundert verglichen hatte. Khan hatte im Vorfeld des Trump-Besuchs dafür plädiert, ihm nicht den roten Teppich auszurollen.

Bei Trumps vorangegangenem Besuch in Großbritannien im Sommer 2018 war die Einladung des US-Präsidenten an und für sich sogar im Parlament debattiert worden - Trump ist selbst unter britischen Abgeordneten höchst umstritten.

Händeschütteln mit Prince Charles (r.). - © apa/afp/Melville
Händeschütteln mit Prince Charles (r.). - © apa/afp/Melville

Am Montag wurden Trump und seine Ehefrau Melania nicht nur von Queen Elizabeth selbst empfangen. Der Erste, der seine Hände auf dem Rasen von Buckingham schüttelte, war die Nummer zwei in der Thronfolge, Prince Charles, und dessen Ehefrau Camilla. Prince Charles gilt als glühender Verfechter von ökologischer Landwirtschaft. Die Verhandlungen zwischen Großbritannien und den USA im landwirtschaftlichen Bereich laufen aber darauf hinaus, dass die USA einen unbeschränkten Zugang zum britischen Markt bekommen wollen. Großbritannien müsste dann das sprichwörtliche Chlorhuhn schlucken als auch genetisch modifizierte Nutzpflanzen und deren Erzeugnisse. Theresa May hatte zwar vehement erklärt, man werde die britischen Standards für das US-Abkommen nicht verwässern. Aber May ist ja nun Geschichte.

Eine Staatsvisite bekommt nicht jeder Besuch

Und Trump wird sogar vom Königshaus umgarnt. Am Montag waren diverse Termine mit royalen Protagonisten angesetzt. Der Präsident und die First Lady waren zunächst feierlich im Buckingham-Palast empfangen worden und durften mit Queen ElizabethII. zu Mittag essen. Für den Abend war ein Staatsbankett im Buckingham-Palast angesetzt. Anders als ein normaler Arbeitsbesuch (wie vergangenes Jahr) wird eine Staatsvisite mit dem ganzen Pomp des Königshauses zelebriert. Vor Trump bekamen nur zwei US-Präsidenten eine Staatsvisite in Großbritannien: George W. Bush und Barack Obama. Dabei hatte Elizabeth II. (außer Lyndon Johnson) alle 13 US-Präsidenten während ihrer Regentschaft getroffen.

Der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, schlug übrigens eine Einladung zu dem Staatsbankett mit Trump aus. Er warf dem US-Präsidenten vor, sich in britische Angelegenheiten einzumischen. Trump konterte daraufhin, er wisse nicht, ob die USA weiterhin Zugang zu Geheimdienstinformationen geben würden, wenn Corbyn Premierminister werden sollte. Schließlich kenne er ihn ja nicht.

Am Dienstag sollte Trump Premierministerin May treffen. Doch aus dem Vier-Augen-Gespräch wurde dem Vernehmen nach nichts mehr, das Treffen wird in einer größeren Runde stattfinden.

Ganz weit weg sollen die Demonstranten in London gehalten werden. Die Proteste gegen Trump dürfen sich etwa nur in einer Entfernung von 70 Meter von Downing Street abspielen, damit das Treffen Trumps mit May nicht durch Skandieren gestört wird.

Ob das riesige Trump-Baby wieder im Himmel über London gesichtet wird, wie schon beim Arbeitsbesuch 2018, ist noch unklar. Wenn, dann wird es am Trafalgar Square gehisst, aber nur wenn bis dahin 30.000 Pfund für Organisationen gesammelt werden, die sich gegen Hass und Zwietracht einsetzen, heißt es von den Organisatoren.