Hongkong/Peking. Zum 30. Jahrestag des Tiananmen-Massakers hat Chinas Regierung die Niederschlagung der Demokratiebewegung verteidigt. Das Außenministerium in Peking wies auch Kritik an der Menschenrechtslage durch die USA und die EU scharf als "Einmischung in innere Angelegenheiten" zurück.

In der Sonderverwaltungszone Hongkong gedachten - wie jedes Jahr - zigtausende Menschen bei einer Kernzenandacht der Opfer der blutigen Niederschlagung der Studentenproteste vor 30 Jahren. Die Organisatoren sprechen von über 180.000 Teilnehmern bei der Gedenkfeier im Victoria Park im Herzen der Stadt, die Polizei gibt die Zahl von 37.000 an. Am chinesischen Festland verhindern die Behörden öffentliche Gedenken an die Opfer des Massakers.

Hunderttausende Menschen hatten im Frühjahr 1989 wochenlang für Demokratie, Freiheit und den Kampf gegen Korruption demonstriert. Auf dem Tiananmen-Platz traten Studenten in den Hungerstreik, während ein Machtkampf die Führung lähmte. Der reformerische Parteichef Zhao Ziyang hegte Sympathien für die Studenten, doch setzten sich am Ende die Hardliner und der "starke Mann" Deng Xiaoping durch, der die Truppen rief. Die Armee war daraufhin in der Nacht auf den 4. Juni 1989 mit Panzern gegen die demonstrierenden Studenten vorgegangen. Mindestens hunderte Menschen kamen ums Leben. Die genaue Zahl ist unbekannt. Tausende wurden verletzt und inhaftiert.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini forderte eine offene Aufarbeitung des Blutvergießens. "Die Europäische Union trauert weiter um die Opfer und spricht den Familien ihr Beileid aus." Die Ereignisse damals anzuerkennen und die Toten, Festgenommenen und Vermissten im Zusammenhang mit den Protesten offenzulegen, "ist wichtig für künftige Generationen und das kollektive Gedächtnis".

Ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften in Uniform und Zivil am Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen) sollte jede Aktion zum Gedenken an die Opfer verhindern. Polizisten kontrollierten Autos auf der Straße. Auf dem Fußweg mussten sich Passanten ausweisen. Mannschaftswagen sowie öffentliche Busse standen bereit. Schlangen von Besuchern standen an den Sicherheitskontrollen zum Platz, der aber wie üblich von Touristen bevölkert war.

Vor dem Jahrestag waren in China Aktivisten und Angehörige der Opfer festgenommen, unter Hausarrest gestellt oder zwangsweise "in die Ferien" aus Peking weggebracht worden.

Die "Mütter von Tiananmen", ein Netzwerk der Familien der Opfer, forderten eine ehrliche Aufarbeitung des Militäreinsatzes, eine Liste der Getöteten, Entschädigung für Familien und die Bestrafung der Verantwortlichen. "Wie können diese zahlreichen Mörder am Ende dem Urteil der Geschichte entkommen?", hieß es in einem offenen Brief.

Der damalige Studentenführer Wu’er Kaixi, der heute im Exil im demokratischen Taiwan lebt, forderte in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Taipeh internationale Sanktionen gegen Chinas Führungselite. Wu’er Kaixi meint, dass mit der wachsenden Bedrohung für die Welt durch das diktatorische System in China alle Staaten gefordert seien. (apa, afp, dpa, reuters)