Khartum. Nach dem gewaltsamen Vorgehen des Militärrats gegen Demonstranten im Sudan ist der Staat mit sofortiger Wirkung aus der Afrikanischen Union (AU) ausgeschlossen worden. Bis eine zivile Übergangsregierung eingesetzt werde, ruhe die Mitgliedschaft, teilte die AU am Donnerstag via Twitter mit. Nur mit einem zivilen Gremium könne der Sudan "einen Weg aus der gegenwärtigen Krise finden".

Die Opposition bekräftige indes ihren Aufruf zu Protesten und zivilem Ungehorsam. Die Revolution sei dem Frieden verpflichtet, hieß es.

Der Militärrat hatte am Montag in der sudanesischen Hauptstadt Khartum gewaltsam Blockaden von tausenden Demonstranten räumen lassen. Die Demonstranten hatten dort seit rund zwei Monaten eine zivile Regierung für das nordostafrikanische Land gefordert. Nach Angaben des oppositionsnahen Zentralkomitees sudanesischer Ärzte kamen dabei mehr als hundert Menschen ums Leben, 500 wurden demnach verletzt. Das Gesundheitsministerium sprach hingegen von "nicht mehr als 46" Toten.

Sicherheitskräfte gehen gegen Zivilisten vor

Sicherheitskräfte in Khartum sowie anderen Städten des Sudans gehen weiter gegen Zivilisten vor, wie das Gewerkschaftsbündnis SPA berichtete. Einige Menschen seien in ihren Häusern von Sicherheitskräften getötet worden, teilte der Ärzteverband mit. Ärzte haben demnach große Schwierigkeiten, die Verletzten zu behandeln, da viele Krankenhäuser entweder nicht zugänglich oder überfüllt sind und es an Ärzten mangelt. In weiten Teilen des Landes waren Internet und Mobilnetze weiterhin eingeschränkt oder abgeschaltet.

Der Militärrat hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Bashir infolge von monatelangen Massenprotesten im April die Führung übernommen. Mit diesem einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrschte aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll.

Nach der Gewalt vom Montag hatte die Militärführung im Land zunächst die Verhandlungen mit der Opposition beendet und alle Zugeständnisse aufgekündigt. Doch nach massivem internationalen Druck erklärte sich der militärische Übergangsrat dann doch bereit, die Gespräche wiederaufzunehmen. Die Opposition winkte zunächst ab.

Einer der ärmsten Länder der Welt

Für die Gewalt sehen viele die berüchtigten Schnellen Einsatztruppen (RSF) in der Verantwortung. Die RSF sind offiziell eine Einheit der Streitkräfte, agieren aber weitgehend autonom. Chef Mohammed Hamdan Daglu (genannt Hemeti) ist die Nummer zwei im Übergangsrat.

Amnesty International kritisierte das Vorgehen der RSF als "mörderische Randale". Netsanet Belay, die Afrika-Leiterin der Organisation, forderte den UNO-Sicherheitsrat und den Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union dazu auf, "sofort zu handeln, um die Täter dieser Gewalt zur Rechenschaft zu ziehen". Auch das US-Außenministerium rief den militärischen Übergangsrat und die RSF "zum Gewaltverzicht und zur erneuten Kontaktaufnahme mit den Freiheitskräften auf".

Der Sudan im Nordosten Afrikas mit 41 Millionen Einwohnern gehört zu den 25 ärmsten Ländern der Welt und steckt in einer schweren Wirtschaftskrise, was der größte Auslöser der Massenproteste war. (apa, afp, dpa)