Nursultan (Astana). (leg/apa) Im autoritär regierten Kasachstan ist der Machtwechsel - oder vielmehr: die Machtübergabe - nunmehr endgültig vollzogen: Übergangspräsident Kassym-Schomart Tokajew hat die Präsidentenwahlen in der ehemaligen Sowjetrepublik wie erwartet klar gewonnen. 70,76 Prozent der Wähler sprachen sich laut Mitteilung der Wahlkommission am Montag für den 66-Jährigen aus, der das Vertrauen von Ex-Staatschef Nursultan Nasarbajew genießt. Der, seit Sowjetzeiten an der Macht, war im März überraschend zurückgetreten und hatte den Weg für seinen Vertrauten Tokajew freigemacht. Nasarbajew bleibt aber - unter anderem als Vorsitzender des Sicherheitsrates - weiter ein Machtfaktor in Kasachstan, ja manche sagen, die bestimmende Figur.

Der Kandidat der Opposition, der Journalist Amirschan Kossanow, landete bei der Wahl mit 16,2 Prozent abgeschlagen an zweiter Stelle. Kossanow galt unter den sechs Gegenkandidaten Tokajews als einzig wirklicher Gegenkandidat der chancenlosen Opposition.

Ein Triumph für Tokajew ist das offizielle Ergebnis freilich nicht: Nasarbajew hatte bei den letzten Wahlen im Jahr 2015 noch ganze 97 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen können. Da nehmen sich die etwas mehr als 70 Prozent seines Nachfolgers vergleichsweise bescheiden aus. Außerdem wurde die Wahl in dem zentralasiatischen Staat von Protesten überschattet: Bei nicht genehmigten Kundgebungen wurden, wie das Innenministerium mitteilte, rund 500 Regierungsgegner festgenommen. Hunderte Menschen hatten sich in Almaty, dem früheren Alma-Ata, und in der Hauptstadt Nursultan, die bis vor kurzem noch Astana hieß und die zu Ehren Nasarbajews umbenannt wurde, zu Demonstrationen versammelt. Es waren die größten Protestkundgebungen seit drei Jahren. Sie wurden von der Polizei teils gewaltsam aufgelöst. Auch Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP und Journalisten des Senders Radio Free Europe/Radio Liberty wurden dabei kurzzeitig festgenommen.

Präsident Tokajew wählt. - © reu
Präsident Tokajew wählt. - © reu

Kritik seitens der OSZE

Tokajew hatte den Kasachen "ehrliche, offene und faire" Wahlen versprochen. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sahen das am Montag anders: Die Wahlen seien weder fair noch frei verlaufen. Besonders kritisierte die OSZE die zahlreichen Festnahmen im Zuge der Proteste. Diese seien "zutiefst beunruhigend" gewesen, sagten die Beobachter.