Vor zwei Wochen feierte die UNO-City mit einem Festakt ihr 40-jähriges Jubiläum in Wien. Der UNO-Generalsekretär Antonio Guterres nahm daran teil, Karin Kneissl, damals noch in ihrer Funktion als Außenministerin, vertrat die Bundesregierung. In der UNO-City, dem einzigen Hauptquartier in der Europäischen Union, arbeiten heute 5000 Angestellte aus 125 Ländern. Bruno Kreisky war treibende Kraft hinter dem Megaprojekt, das die Republik damals umgerechnet 640 Millionen Euro kostete. Die "Wiener Zeitung" sprach mit Juri Fedotow, der seit 2010 Generaldirektor der UNO in Wien ist, sowie Exekutivdirektor des UNO Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung über die UN-Präsenz in Wien und die nächsten 40 Jahre.

"Wiener Zeitung": Herr Generaldirektor, wir befinden wir uns derzeit in einer Phase des Umbruchs der internationalen Beziehungen, in der immer mehr Staaten den Multilateralismus hinterfragen. Kann die UNO trotzdem ihre Rolle der Friedenssicherung erfüllen?

Juri Fedotow: Ich zitiere UNO-Generalsekretär Guterres, der kürzlich in einer Rede gesagt hat: "Der Multilateralismus wird angegriffen in einer Zeit in der wir ihn am dringendsten brauchen." Er hat recht. Es gibt derzeit sehr viele Unstimmigkeiten zwischen den UNO-Mitgliedsstaaten, und wir beobachten eine nachlässige Einstellung dem Völkerrecht gegenüber. Das ist ein negativer Trend. Dennoch: Die Ära des Multilateralismus ist nicht vorbei. Bei der letzten UNO-Vollversammlung in New York kamen 126 Staatschefs aus aller Welt. Das ist eine Rekordzahl. Und das zeigt, dass die Staaten die UNO als globales Instrument brauchen.

Yuri Fedotow, Chef der UN-Anti-Verbrechens- und Anti-Korruptionsbehörde United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC). - © TASS/apa-picturedesk/Anton Novoderezhkin
Yuri Fedotow, Chef der UN-Anti-Verbrechens- und Anti-Korruptionsbehörde United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC). - © TASS/apa-picturedesk/Anton Novoderezhkin

Sie sprechen die großen Herausforderungen unsere Zeit an. Um welche handelt es sich genau und wie bemühen sich die UNO-Teilorganisationen in Wien, diese zu meistern?

Die UN-Organisation in Wien haben sehr unterschiedliche Mandate. Was sie alle eint, ist ihre gemeinsame Umsetzung der sogenannten Ziele für nachhaltige Entwicklung. Die Atomenergiebehörde etwa bemüht sich nicht nur um nukleare Sicherheit und die friedliche Nutzung von Atomenergie, sondern treibt auch wissenschaftliche und technische Kooperation voran, um Nukleartechnologie für die Bereiche Umwelt, Medizin, Landwirtschaft, Industrie und Stromerzeugung sicher zu machen. Das Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) setzt sich weltweit für den Kampf gegen illegale Drogen und internationales Verbrehen ein, ist aber auch tätig im Bereich der Korruptionsbekämpfung tätig. Es gibt Schätzungen, dass etwa in Afrika der Level an Korruption und Bestechung genauso hoch ist wie die offizielle Entwicklungshilfe. Das sieht für mich nach einem Nullsummenspiel aus und wir müssen hier daher dringend Maßnahmen ergreifen.