Sie nennen Beispiele in Regionen der Welt, die weit weg von Österreich sind. Warum sollten sich die Österreicher für die UNO-City interessieren?

Es stimmt, dass die UN-Organisationen in Wien hauptsächlich in Entwicklungsländern oder anderen fernen Ländern tätig sind. Aber ich denke, die Österreicher sollten die UNO-City als einen Knotenpunkt anerkennen, über den andere Regionen der Erde nachhaltig unterstütz werden.

Abgesehen davon sind auch österreichische Unternehmen bei uns involviert, beispielsweise die Firma Zotter Schokolade, mit der wir ein Projekt haben, das unter dem Namen "Kakao statt Kokain" läuft. Hier können sich Kleinbauern in Kolumbien aus der Abhängigkeit von Drogenanbau befreien und stattdessen Bio-Kakao anpflanzen. In Österreich arbeiten wir auch sehr eng mit der Anti-Korruptionsakademie zusammen, die ihren Sitz in Laxenburg hat.

Denken Sie, dass es nach wie vor im Interesse Österreichs ist, die UNO in Wien zu beherbergen?

Österreich ist sehr wohl erpicht darauf, eine wichtige Rolle im Bereich der multilateralen Diplomatie und der internationalen Politik zu spielen. Die Tatsache, dass die UNO-City nun seit 40 Jahren in Wien ist, beweist ja auch, dass Österreich sehr engagiert ist. Österreich profitiert auch wirtschaftlich. Denken Sie an die 5000 Mitarbeiter aus aller Welt, die in der UNO-City arbeiten. Sie leben hier, gehen essen, kaufen ein, ihre Familien besuchen sie regelmäßig.

Leben die UNO-Mitarbeiter nicht in ihrer eigenen Blase?

Das Leben von UN-Diplomaten ist hektisch, wir sind ständig in Bewegung. Ich etwa bin pro Jahr mehr als 100 Tage im Ausland auf Mission unterwegs, um mir ein Bild von der Arbeit unserer Feldbüros zu machen.

Sie haben eben auch die Anti-Korruptionsakademie (IACA) in Laxenburg erwähnt. Seit letztem Jahr ist bekannt, dass die Institution vor dem finanziellen Ruin steht. Wäre es für Sie ein Verlust, wenn die Akademie zusperren müsste?

Ich hoffe sehr, dass die IACA nicht zusperren muss. Derzeit finden Verhandlungen statt, auch mit den österreichischen Behörden, um eine weitere Finanzierung sicherzustellen. In Europa ist die IACA die einzige derartige Bildungseinrichtung, und wir möchten sie daher unbedingt als unsern Partner in Zukunft bewahren.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Österreich als Gastgeberland?

Österreich ist ein Musterbeispiel für ein vorbildliches Gastgeberland. Wir haben keinerlei Probleme. In anderen Hauptquartieren wie etwa in Genf oder New York gibt es eigene Komitees, nur um Streitpunkte zu besprechen. In Wien haben wir das nicht, weil wir es einfach nicht brauchen.

Geht Ihre Zeit in Wien langsam zu Ende? Können Sie bereits über Ihr Vermächtnis sprechen?