London. Die USA haben in Großbritannien ein formelles Auslieferungsgesuch für WikiLeaks-Gründer Julian Assange gestellt. Ihm würden in den USA unter anderem Verstöße gegen Spionagegesetze vorgeworfen, teilte das Londoner Innenministerium mit. Eine Stellungnahme von Assanges Anwälten gab es zunächst nicht.

Wie vorher bekannt wurde, will die US-Justiz nach Angaben der Enthüllungsplattform Wikileaks am Freitag ihre Beweismittel gegen den in London inhaftierten Wikileaks-Gründer Julian Assange vorlegen. Damit solle bei der Anhörung vor dem Gericht in Westminster der Auslieferungsantrag der USA untermauert werden, sagte Wikileaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson am Dienstag vor Journalisten in London.

Assange wird an dem Termin offenbar nicht teilnehmen. Der 47-jährige Australier werde möglicherweise vom Gefängnis aus per Video zugeschaltet, sagte Hrafnsson. Bei dem Termin am Freitag werde es vor allem um Verfahrensfragen gehen, die erste inhaltliche Auseinandersetzung sei erst Wochen oder gar Monate später zu erwarten, fügte der Wikileaks-Chefredakteur hinzu.

Gesundheitszustand verschlechtert

Da sich Assanges Gesundheitszustand verschlechterte, wurde er inzwischen auf die Krankenstation des Belmarsh-Gefängnisses verlegt. Dort erhielt er nach Informationen der britischen Nachrichtenagentur Press Association am Dienstag Besuch von seinem Vater und dem chinesischen Dissidenten Ai Weiwei.

Derzeit sitzt Assange eine fast einjährige Gefängnisstrafe ab, zu der er Anfang Mai wegen Verstoßes gegen die Auflagen seiner Kaution verurteilt worden war. Das Urteil bezieht sich darauf, dass Assange sich mit seiner Flucht in die Botschaft Ecuadors in London vor sieben Jahren dem Zugriff der britischen Justiz entzogen hatte.

Assange ist in den USA wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente und wegen Verstößen gegen das Anti-Spionage-Gesetz angeklagt. Schon allein für den Anklagepunkt der Verschwörung zum Angriff auf Regierungscomputer droht ihm eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Sollte er in allen 18 Anklagepunkten für schuldig befunden werden, könnten ihm bis zu 175 Jahre Gefängnis drohen. Der Wikileaks-Gründer hatte angekündigt, sich dagegen mit allen juristischen Mitteln wehren zu wollen. (apa, afp)