Tapachula. Hochkonzentriert sitzt der mexikanische Soldat in seinem Lastwagen nahe der Grenze zwischen Mexiko und Guatemala, den Blick auf einen Bildschirm gerichtet, auf dem die Umrisse menschlicher Körper sichtbar werden könnten. Die Spezialausrüstung ist geeignet, das Innenleben vorbeirollender Laster zu enthüllen.

Der Soldat wirkt dabei mit, die jüngsten Zusagen der mexikanischen Regierung an die USA zu erfüllen, die illegale Einwanderung aus dem Süden einzudämmen und Schleppern das Handwerk zu legen.

An einem weiteren Checkpoint bei Tapachula, der mexikanischen Grenzstadt zu Guatemala, durchsuchen Grenzschützer Minibusse und Taxis. "Wir sind hier rund um die Uhr im Einsatz", sagte einer von ihnen. Es dauert nicht lange, bis sie eine Familie ohne gültige Papiere ausfindig gemacht haben. Vater, Mutter und drei Kinder müssen ihren Kleinbus räumen und werden in einen Lastwagen verfrachtet.

Großteil der Grenze verläuft durch den Dschungel

Die Migranten, von denen die meisten aus El Salvador, Guatemala und Honduras stammen, haben die Verschärfung der mexikanischen Einwanderungspolitik längst zu spüren bekommen. Seit Jänner hat sich die Zahl der Festgenommenen verdreifacht - von 8248 im ersten Monat des Jahres auf 23.679 im Mai.

Doch die Grenze zwischen Mexiko und Guatemala ist insgesamt 1138 Kilometer lang. Ein Großteil davon verläuft durch Dschungelgebiete. Nicht alles ist so klar überschaubar wie die Checkpoints hier bei Tapachula am ruhig dahinfließenden Rio Suchiate. So bleibt abzuwarten, wie sich die Einwanderungszahlen entwickeln, wenn die mexikanische Regierung, wie gegenüber Washington angekündigt, zusätzliche 6000 Nationalgardisten in den Kampf gegen die illegale Einwanderung schickt.

Rund 300.000 Einwanderer sind nach Angaben der mexikanischen Regierung in diesem Jahr aus dem Süden eingetroffen. Wenn es mehr Kontrollen gebe, so werde das "die Kosten für die Grenzüberquerung in die Höhe treiben" und das "Geschäft mit dem Menschenhandel beleben", sagt Javier Urbano von der Universidad Iberoamericana voraus. Die Schlepper, die umgangssprachlich als "Kojoten" bezeichnet werden, sind in Banden organisiert. Wer ihre Dienste in Anspruch nimmt, muss derzeit rund 6000 Dollar berappen.

"Es ist egal, was Donald Trump tut, er kann uns nicht aufhalten", sagt der 57-jährige Josue Arenal aus Honduras. "Er kann tausend Mauern errichten, Migranten finden immer ein Schlupfloch."

Sein 53-jähriger Landsmann José Mario schätzt die Lage anders ein. "Wer durch den Fluß watet, wird eingefangen und deportiert", sagt er, während er von einer Brücke über den Rio Suchiate die Lage betrachtet. "Wir haben uns für eine legale Einwanderung entschieden." Sein Einreisevisum beschränkt den Bewegungsspielraum allerdings auf den Süden Mexikos.

Wie zur Bestätigung von José Marios Skepsis rollen drei Busse vorbei, mit denen Migranten zwangsweise nach Guatemala zurückgebracht werden. Durch die Scheiben blicken vor allem jugendliche, traurige Gesichter. Viele von denen, denen der Weg in den Norden versperrt wird, kehren in ein Leben voller Armut und Gewalt zurück. (afp)