Brüssel/Peking. US-Präsident Donald Trump hat keinen Zweifel daran, dass Teheran hinter den Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman steckt. "Der Iran hat es getan", sagte Trump am Freitag dem US-Sender Fox News in Washington. Bei den Beweisen "steht ganz groß Iran drauf", sagte er mit Blick auf Fotos, die angeblich Iraner beim Entfernen einer nicht explodierten Mine von einem der Tanker zeigen.

"Wir werden sehen", antwortete Trump auf die Frage, wie man Teheran stoppen könnte. "Ich will dieses Land nicht verletzen, aber sie dürfen keine Atomwaffe haben. So einfach ist das", sagte Trump mit Blick auf den Iran. Zugleich gab er einem Versuch des Iran, den Golf von Oman im Atomstreit zu blockieren, keine Erfolgsaussichten. Der Golf werde nicht geschlossen, "und wenn (er geschlossen werden sollte), dann nicht für lange Zeit".

EU vorsichtig

Der Auswärtige Dienst der EU schließt sich den US-amerikanischen Schuldzuweisungen gegen den Iran nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman vorerst nicht an. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein ranghoher EU-Beamter am Freitag in Brüssel.

Man habe es mit einer komplexen Situation zu tun und könne zum derzeitigen Zeitpunkt nur dazu aufrufen, größtmögliche Zurückhaltung walten zu lassen und Provokationen zu vermeiden, sagte der Beamte. Er verwies darauf, dass es vermutlich am Montag bei einem EU-Außenministertreffen in Luxemburg Gespräche zum Thema geben werde.

Auch China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf. "Wir alle wollen keinen Krieg in der Golfregion", sagte Außenamtssprecher Geng Shuang am Freitag in Peking. China sei besorgt über die jüngsten Spannungen im Nahen Osten. Alle Parteien sollten ihre Differenzen durch Dialog lösen und Frieden und Stabilität sichern. Die Sicherheit der Schifffahrt in den betreffenden Seegebieten müsse gewahrt werden.

"Gefährliche Eskalation"

Zuvor hatte sich in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rouhani getroffen. In Berichten chinesischer Staatsmedien über das Treffen am Rande des Gipfels der Shanghai Kooperationsorganisation (SCO) wurden die Zwischenfälle und die Vorwürfe der USA an den Iran, Schuld an den Angriffen auf die Öltanker zu sein, nicht erwähnt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate beklagten hingegen eine "gefährliche Eskalation" in der Region. "Der Angriff auf die Tanker im Golf von Oman ist eine besorgniserregende Entwicklung und eine gefährliche Eskalation", erklärte Außenstaatssekretär Anwar Gargash am Freitag im Onlinedienst Twitter. Gargash verurteilte auch einen Angriff der jemenitischen Houthi-Rebellen auf einen Flughafen in Saudi-Arabien, bei dem am Mittwoch 26 Zivilisten verletzt worden waren.

Beide Vorfälle erforderten ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft, um "Frieden und Sicherheit in der Region aufrechtzuerhalten", forderte Gargash. Eine Eskalation zu vermeiden, sei eine "gemeinschaftliche" Verantwortung. Die Vereinigten Arabischen Emirate grenzen im Nordosten an den Golf von Oman und gehören der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition an, die im Jemen gegen die Houthi-Rebellen kämpft.

US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Donnerstag die Führung in Teheran beschuldigt, hinter den mutmaßlichen Attacken gegen Schiffe zu stecken. "Es ist die Einschätzung der US-Regierung, dass die Islamische Republik Iran verantwortlich für die Angriffe ist, zu denen es heute im Golf von Oman kam", sagte Pompeo in Washington. Es handle sich um eine "nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran".

Der Iran weist die Anschuldigungen als "lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich" zurück. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Persischen Golf am meisten profitieren würde, sagte Außenamtssprecher Abbas Moussavi am Freitag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. (apa, dpa, afp)