Das Protokoll vermerkt trocken: "Rechtsverletzung: 1. Exekution meines Ehemanns A.A.S. 2. Verlust meines Kindes H.A. 3. Verlust meiner Würde und Ehre".

Shlomo-Gründer Faris Yusef Jajo klappt den Ordner zu und schiebt ihn wieder an seinen Platz. "Das hier ist der Ordner mit den Fällen, die wir für ein Strafgericht vorbereitet haben", sagt er. Die Fälle seien bestens dokumentiert, nur wenn die Täter eines Tages verfolgt werden, gebe es Gerechtigkeit und nur dann könne das Land weiterkommen.

Jajo hat neben den dutzenden Ordnern mit Opferprotokollen, von denen jedes einzelne eine menschliche Tragödie enthält, auch noch andere Dokumente, die den Schrecken des IS dokumentieren. Jajo holt einen anderen Ordner hervor, jenen, der Dokumente aus den Beständen des IS enthält. "Bismi’llahi r’ahmani ’rahim - Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes". Mit diesem Satz beginnt ein Dokument vom 21. Dhu al-Hijja 1435.

Was der Islamische Staat da am 16. Oktober 2014 im Namen Allahs verlautbart hat, kann keinem Gott gefallen.

Das Dokument ist eine Preisliste für Sklavinnen.

Die Kaufpreise für Christinnen und jesidische Frauen sind darin im Detail vermerkt: 75.000 irakische Dinar (rund 55 Euro) kostet eine Frau im Alter von 30-40 Jahren, 100.000 irakische Dinar (rund 75 Euro) eine Frau zwischen 20 und 30, 150.000 irakische Dinar (rund 112 Euro) für Frauen im Alter von 10 bis 20 Jahren.

Das Dokument schließt mit den Worten: "Niemand darf mehr als drei Frauen kaufen, außer Türken, Syrer und Ausländer, die aus Golf-Ländern stammen." Jajo hofft darauf, dass er all diese Dokumente eines Tages in einem Museum präsentieren kann. Denn vor allem armenische Christen, erklärt er, sehen die Morde und Verbrechen des IS in einem historischen Kontext: Zuerst der Völkermord an den Armeniern in den Jahren 1915 und 1916 durch das Osmanische Reich (dessen Kerngebiet später in der Türkei aufging), bei dem zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Menschen zu Tode kamen. In diesem Jahrhundert habe sich die Geschichte wiederholt, meint Jajo.

Noch sind der Irak und Syrien nicht zur Ruhe gekommen: Bis die Menschen zurückgekehrt und die Ruinen wiederaufgebaut sind, werden Jahrzehnte vergehen. Noch länger wird es aber dauern, bis die psychischen Wunden, die der Krieg gerissen hat, verheilt sind. Für die Menschen, deren Schicksale in Faris Yusef Jajos Mappen aufgezeichnet sind, werden Narben bleiben. Für immer.