Kairo. Der frühere ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist in Kairo beigesetzt worden. Mursi sei am Dienstag im Stadtteil Medinat Nasr im Osten der ägyptischen Hauptstadt im Beisein seiner Familie bestattet worden, sagte Anwalt Abdelmoneim Abdel Maksud. Das Totengebet sei zuvor im Krankenhaus des Tora-Gefängnisses gesprochen worden, in dem Mursi am Montag für tot erklärt worden war.

Der Tod des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi bei einem Gerichtsverfahren ist einem Medienbericht zufolge auf einen Herzinfarkt zurückzuführen. Mursi sei wegen einer Tumorerkrankung fortlaufend behandelt worden, berichtete das Staatsfernsehen am Dienstag unter Berufung auf Ärzte. Mursi war am Montag bei einer Anhörung vor Gericht ohnmächtig zusammengebrochen und später gestorben.

Eine Autopsie habe keine Anzeichen für jüngere Verletzungen ergeben, hieß es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft. Mursis Anwalt Abdel-Menem Abdel-Maksud sagte, der 67-Jährige sei während seiner Haft in schlechter gesundheitlicher Verfassung gewesen. "Wir haben mehrere Anträge auf Behandlung gestellt", sagte er. "Einige wurden genehmigt, andere nicht."

Wahl 2012, Sturz 2013

Mursi war ein Vertreter der fundamentalistischen Muslim-Brüder, die inzwischen in Ägypten verboten sind. Sie sprachen von einem "ausgewachsenen Mord" und riefen die Menschen dazu auf, in Massen zu Mursis Beisetzung zu kommen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, ebenfalls ein Vertreter einer religiösen Politik, nannte Mursi einen Märtyrer. Die Menschenrechtsgruppe Amnesty International rief die ägyptische Regierung auf, eine "unparteiische, gründliche und transparente" Untersuchung einzuleiten.

Mursi wurde 2012 erster frei gewählter Präsident des Landes. Kritiker warfen ihm vor, seine Macht ausbauen und religiösen Ansichten der Brüder durchdrücken zu wollen sowie mit seiner Wirtschaftspolitik gescheitert zu sein. Mursi hatte dies zurückgewiesen. Nach Massenprotesten gegen ihn wurde er 2013 von der Armee gestürzt. Mursi verbüßte im Gefängnis unter anderem eine lebenslange Strafe wegen Spionage. Bei der Anhörung am Montag ging es ebenfalls um Vorwürfe der Spionage, diesmal im Zusammenhang mit mutmaßlichen Verbindungen zur radikal-islamischen Palästinenser-Gruppe Hamas. (apa, reuters, afp)