Washington. Als Donald und Melania Trump das Stadion in Orlando betreten, kocht die Menge. 20.000 Anhänger des US-Präsidenten skandieren "USA, USA", aus den Boxen dröhnt der Song "Gott segne die USA" von Country-Star Lee Greenwood, dort heißt es: "Und ich bin stolz, ein Amerikaner zu sein, wo ich zumindest weiß, dass ich frei bin."

Die First Lady spricht kurz und übergibt dann an ihren Ehemann. Der US-Präsident tritt ans Mikrofon, wieder brandet Jubel auf. Sein offizieller Wahlkampfauftakt am Dienstagabend ist eine 80-minütige Rede. Die Inhalte sind Trump pur. Neu sind sie nicht.

Das verwundert allerdings kaum: Zwar ist die Ansprache in Florida der offizielle Startschuss für das Projekt Wiederwahl 2020. Tatsächlich ist aber längst klar, dass Trump antritt, und Wahlkampfauftritte wie den in Orlando absolviert er regelmäßig. Dennoch heizt Trump die Stimmung im Vorfeld an, auf Twitter vergleicht er seinen geplanten Auftritt mit dem eines Rockstars: "Die Leute haben so etwas noch nie gesehen (außer du spielst Gitarre). Wird wild werden - bis später!"

Keine konkreten politischen Ziele

Zwar wird der frühere Reality-TV-Star von seinen Anhängern frenetisch gefeiert. Konkrete politische Ziele für eine zweite Amtszeit hat er aber nicht zu bieten. Stattdessen gibt es die üblichen Angriffe auf die Medien ("Fake News") und vor allem auf die oppositionellen Demokraten. "Unsere radikalen demokratischen Gegner sind von Hass, Vorurteilen und Wut getrieben", sagt der Präsident. "Sie wollen Euch zerstören, und sie wollen unser Land zerstören, wie wir es kennen."

Den Demokraten wirft Trump vor, Amerika zum Hort des Sozialismus machen, Grundrechte abschaffen und die Grenzen öffnen zu wollen - nichts davon belegt er. "Amerika wird niemals ein sozialistisches Land sein", ruft er. Beim Thema Abtreibung behauptet er, die Demokraten wollten "Babys direkt aus dem Mutterleib reißen". Ansonsten streift er viele bereits früher gemachte Versprechen. So kündigt Trump innerhalb von nur 30 Sekunden mal eben an, Heilverfahren für Krebs zu entwickeln, Aids in Amerika auszurotten und den Grundstein für eine Mars-Landung zu legen.

Zwar hat Trump der "Washington Post" sogar schon vor seinem Amtsantritt im Jänner 2017 verraten, dass er 2020 mit dem Motto "Keep America Great" antreten will, in etwa: Sorgt dafür, dass Amerika großartig bleibt. In Florida lässt er seine Anhänger nun aber per Jubel-Bekundungen abstimmen, ob sein Slogan "Make Amerika Great Again" ("Macht Amerika wieder großartig") - nach seinen Worten das beste Wahlkampfmotto aller Zeiten - ersetzt werden soll. Der Jubel dafür ist gewaltig, und so hat die Kampagne offiziell ihr neues Leitmotiv.