Kiew. Ein von den Niederlanden geleitetes internationales Ermittlerteam hat fünf Jahre nach dem Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine vier Verdächtige genannt. Die Ermittler beschuldigten nach Angaben von Angehörigen am Mittwoch drei Russen und einen Ukrainer, in den Abschuss der Passagiermaschine von Malaysia-Airlines am 17. Juli 2014 mit einer Rakete verwickelt gewesen zu sein. Einer davon ist der Russe Igor Girkin, besser bekannt als Rebellenkommandant Igor Strelkow.

Gegen die Verdächtigen würden Haftbefehle erlassen. Der Prozess gegen die vier Beschuldigten werde am 9. März kommenden Jahres in den Niederlanden beginnen, teilte die Opferangehörige Silene Fredriksz am Mittwoch mit. Sie sei "glücklich, dass der Prozess endlich beginnen wird und dass, die Namen verkündet wurden", sagte Fredriksz, deren Sohn und Schwiegertochter unter den Opfern waren. Sie machte den russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich für den Absturz verantwortlich. "Weil er dies möglich gemacht hat. Er hat die Situation geschaffen. Er ist der Hauptverantwortliche."

Die Ermittler präsentieren die vier Verdächtigen. Einer davon ist der Russe Igor Girkin, besser bekannt als Rebellenkommandant Igor Strelkow. - © APAweb / afp, Robin van Lonkhuijsen
Die Ermittler präsentieren die vier Verdächtigen. Einer davon ist der Russe Igor Girkin, besser bekannt als Rebellenkommandant Igor Strelkow. - © APAweb / afp, Robin van Lonkhuijsen

Der genannte Hauptverdächtige hat die Vorwürfe erneut kategorisch zurückgewiesen. "Die Rebellen haben mit dieser Katastrophe nichts zu tun – weder ich noch andere", sagte Girkin, genannt Strelkow, der Agentur Interfax am Mittwoch.

Ein zweiter Verdächtiger ließ über einen Sprecher ebenfalls eine Beteiligung zurückweisen. Girkin wies schon vor fünf Jahren die Vorwürfe zurück. Er verließ das Kriegsgebiet später und ist wieder in seiner russischen Heimat. Beide Beteiligte lehnten eine Teilnahme an dem für März 2020 angesetzten Gerichtsverfahren ab.

Niederlande machen Russland verantwortlich

Die Niederlande und Australien machen Russland für den Abschuss der Malaysia-Airlines-Maschine verantwortlich, bei dem alle 298 Insassen getötet worden waren. Das Flugzeug war am 17. Juli 2014 über der Ukraine abgeschossen worden. Unstrittig ist, dass es von einer Rakete des Typs Buk getroffen wurde. Das von den Niederlanden geleitete internationale Ermittlerteam will weitere Ergebnisse am Mittag offiziell verkünden.

Im Mai 2018 hatte das internationale Ermittlerteam einen Bericht vorgelegt und die eingesetzte Rakete erstmals einer russischen Militärbrigade zugeordnet. Die Regierung der Niederlande, woher die meisten der Opfer stammten, machte Russland daraufhin auch formell für den Abschuss verantwortlich.

Kreml kritisiert Ermittlungen

Der Kreml  hat dies immer verärgert zurückgewiesen und macht seinerseits ukrainische Kräfte für den Abschuss verantwortlich. Kremlsprecher Dmitri Peskow kritisierte die Ermittlungen am Mittwoch als einseitig. "Russland hatte keine Möglichkeit, an den Ermittlungen zu dieser furchtbaren Katastrophe teilzunehmen, obwohl wir das von Anfang an angeboten hatten", sagte Peskow.  Zu den in Medien genannten vier mutmaßlichen Verantwortlichen sagte er, dass Moskau die offizielle Mitteilung der Untersuchungskommission abwarte.

Die von Russland unterstützten Separatisten wiesen erneut kategorisch zurück, dass Russland etwas mit dem Abschuss zu tun habe. Das für den Abschuss benutzte Buk-System stamme vielmehr aus den Beständen der ukrainischen Streitkräfte. "In Donezk gab es einfach niemanden, der das hätte bedienen können", sagte Andrej Purgin, Vize-Regierungschef in der selbsternannten Volksrepublik Donezk. Die Anschuldigungen seien daher absurd. Vielmehr habe die Ukraine das Personal gehabt, um das System zu bedienen. "In Russland werden die Anlagen praktisch schon nicht mehr benutzt", sagte Purgin. (apa, afp, dpa)