Teheran/Washington/Riad. Der Iran hat eine US-Aufklärungsdrohne abgeschossen, die in den iranischen Luftraum eingedrungen sein soll. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte den Abschuss, betont aber, die Drohne habe sich "in internationalem Luftraum" über der Straße von Hormuz befunden. Der Vorfall erhöht die Unsicherheit in der gesamten Region. Und er nährt die Furcht vor einer größeren militärischen Konfrontation zwischen dem Iran und den USA.

Denn es kam auch gleich zu verbalen Gefechten. US-Präsident Donald Trump twitterte, die Regierung in Teheran habe "einen sehr großen Fehler gemacht". Auf der anderen Seite betonte der Kommandeur der Garden, Hossein Salami, im iranischen Staatsfernsehen: "Der Abschuss der amerikanischen Drohne war eine klare Botschaft an Amerika." Die Landesgrenzen seien für den Iran die roten Linien, und man werde auf jede Aggression scharf reagieren. "Der Iran sucht mit keinem Land den Krieg, aber wir sind vollständig vorbereitet, um den Iran zu verteidigen." Ein Sprecher des US-Zentralkommandos konterte, es habe sich um einen "unprovozierten Angriff" auf ein US-Aufklärungsgerät gehandelt.

Die Situation spitzt sich immer weiter zu, seit vergangene Woche zwei Öltanker im Golf von Oman angegriffen wurden. Die USA und Saudi-Arabien, ihr engster Verbündeter in der Golf-Region und ein Erzfeind des Iran, machen die Führung in Teheran dafür verantwortlich. Der Iran hat die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, er sei für die Sicherheit in der Straße von Hormuz verantwortlich. Das US-Militär müsse den angrenzenden Persischen Golf verlassen.

Nach dem Angriff auf die Öltanker hat auch Indien reagiert und zwei
Kriegsschiffe in die Region verlegt. Die "Chennai" und die "Sunayna"
sollen im Persischen Golf und im Golf von Oman Sicherheitseinsätze
vornehmen, teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Die
Marine überwache zudem von der Luft aus die Region.

Rettungsversuch für den Atomdeal

Das US-Militär verstärkt unterdessen seine Nahost-Präsenz unter anderem durch Flugzeugträger und B-52-Bomber. Trump hat zwar erklärt, auch er wolle keinen Krieg, er erhöht aber den Druck auf den Iran, um nach seiner einseitigen Aufkündigung des 2015 erzielten Atomabkommens eine wesentlich schärfere Vereinbarung durchzusetzen. Der Iran hat zwar zunächst erklärt, sich trotzdem an den Atomdeal zu halten, inzwischen aber angekündigt, mehr Uran anzureichern, als das Abkommen vorsieht. Am Mittwoch kommen Vertreter des Iran sowie Chinas, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Russlands nach Wien, um den Atomdeal doch noch zu retten.

Keine Waffen für Saudi-Arabien

Es knirscht übrigens auch zwischen den USA und ihrem Verbündeten: Der US-Senat blockiert mehrere Rüstungslieferungen an die Saudis. Die entsprechende Resolution muss allerdings noch vom Repräsentantenhaus verabschiedet werden, Trump kann dagegen sein Veto einlegen.

Außerdem wurde Saudi-Arabien auf die schwarze Liste jener Länder gesetzt, denen die USA Nachlässigkeit beim Kampf gegen Menschenhandel vorwerfen. Es geht um Rechtsbrüche im Umgang mit ausländischen Arbeitern im Land. Auf der Liste finden sich auch Kuba, das über sein Entsendeprogramm für Ärzte ins Ausland Menschenhandel betrieben haben soll, sowie China, Nordkorea, Russland und Venezuela. Die Einstufung könnte US-Sanktionen nach sich ziehen.