Washington. US-Präsident Donald Trump hat den Militärschlag gegen den Iran nach eigenen Angaben wegen der befürchteten Opfer abgesagt. Die vom US-Militär erwarteten 150 Todesopfer wären im Vergleich zum Abschuss einer US-Drohne durch den Iran "unverhältnismäßig" gewesen, teilte Trump am Freitag auf Twitter mit. Trump machte keine Angaben dazu, welche Ziele angegriffen werden sollten.

"Ich habe keine Eile"

Der US-Präsident schrieb weiter: "Ich habe keine Eile." Das US-Militär sei einsatzbereit "und mit Abstand das beste in der Welt". Die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran zeigten Wirkung. Er betonte: "Der Iran kann NIE Atomwaffen haben." Trump verteidigte erneut seinen einseitigen Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran und kritisierte seinen Amtsvorgänger Barack Obama dafür, den Vertrag mit Teheran abgeschlossen zu haben.

Die Drohne wird in ihren zerrissenen Stücken von den Revolutionsgarden präsentiert.  - © APAWeb / reuters
Die Drohne wird in ihren zerrissenen Stücken von den Revolutionsgarden präsentiert.  - © APAWeb / reuters

Die "New York Times" berichtete, Ziel des US-Militärschlags hätten Radarstationen und Raketenbatterien im Iran sein sollen. Die US-Militärplanungen verstärkten die Sorge, dass der Konflikt zwischen den USA und dem Iran in einem neuen Golfkrieg münden könnte.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran hatten sich in der Nacht zum Donnerstag dramatisch zugespitzt, nachdem der Iran eine amerikanische Aufklärungsdrohne abgeschossen hatte. Über den genauen Abschussort machen der Iran und die USA unterschiedliche Angaben. Die US-Regierung spricht davon, dass das unbemannte Flugzeug über internationalen Gewässern getroffen worden sei. Der Iran will Beweise dafür haben, dass die Drohne über iranischem Hoheitsgebiet geflogen sei. Es geht um wenige Kilometer. Außerdem gibt der Iran an, dass die USA mehrfach vor Abschuss der Drohne gewarnt worden seien.

Das vermeintliche Wrack der abgeschossenen US-Drohne.  - © APAWeb / reuters
Das vermeintliche Wrack der abgeschossenen US-Drohne.  - © APAWeb / reuters

In der Nacht auf Freitag genehmigte US-Präsident Donald Trump dann Militärschläge gegen den Iran -  hat diese aber kurzfristig wieder abgeblasen. Militärflugzeuge seien bereits in der Luft gewesen und Schiffe in Position. Es seien aber noch keine Raketen abgefeuert worden, als der Rückzugsbefehl gekommen sei. 

 Trump wollte mit dem Angriff offenbar seine Worte unterstreichen: Er drohte am Donnerstag,  der Iran "habe einen sehr schweren Fehler" mit dem Abschuss der Drohne gemacht. Iranische Regierungsvertreter erklärten am Freitag, Washington habe Teheran im Wege über den Oman von dem bevorstehenden Angriff informiert. 

Tusk: "Die größten Probleme sind durch zu aktives Auftreten entstanden"

Die EU will sich nach Worten von Ratspräsident Donald Tusk in die Krise zwischen dem Iran und den USA nicht einmischen. "Manchmal ist es besser, nicht zu intervenieren", sagte Tusk am Freitag nach dem EU-Gipfel in Brüssel.

"Die größten Probleme in unserer Geschichte sind durch zu aktives Auftreten und Einmischen entstanden", so Tusk weiter. Natürlich verfolge die EU aufmerksam, was am Golf passiere. Es gebe aber keinen Grund für den EU-Gipfel, dazu jetzt ein europäisches Statement abzugeben. Die EU zeige Verantwortung.

Iran: Wir hätten auch das Flugzeug abschießen können

Den iranischen Revolutionsgarden sind Drohgebärden auch nicht fremd. Sie hätten nach eigenen Angaben neben der US-Drohne auch ein amerikanisches Flugzeug mit 35 Menschen an Board abschießen können. Es habe sich in derselben Region wie der Flugkörper aufgehalten, zitierte die Nachrichtenagentur Tasnim am Freitag den Leiter der Luft- und Raumfahrtdivision der Garden, Amirali Hayisadeh.

"Dieses Flugzeug ist auch in unseren Luftraum eingedrungen, und wir hätten es abschießen können, aber wir haben es nicht getan." Bei der Maschine habe es sich um eine P-8 gehandelt. Das ist eine Militärmaschine der US-Marine. (apa/reuters/dpa)