Salzburg. Der frühere FBI-Direktor James Comey diente unter dem republikanischen US-Präsidenten George W. Bush als stellvertretender Justizminister und unter dem Demokraten Barack Obama als FBI-Direktor. Als solcher hatte er es zuerst mit der Affäre um geleakte E-Mails vom Server von Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu tun und ermittelte dann in der Causa um Versuche Moskaus, bei den US-Wahlen dazwischenzufunken, um dafür zu sorgen, dass Donald Trump US-Präsident wird. Er hielt beim "Salzburg Global Seminar" vor Eliten aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung einen Vortrag über Ethik und Führung. Dieses Interview wurde gemeinsam mit "Der Standard", "Salzburger Nachrichten" und "Süddeutsche Zeitung" geführt.

"Wiener Zeitung": Sie haben zuletzt gesagt, dass Sie nicht für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump sind. Das ist verwunderlich. Sie waren ja selbst Opfer einer versuchten Justizbehinderung durch Trump. Warum sind Sie dennoch gegen ein Amtsenthebungsverfahren?

James Comey: Ich trete für Rechtsstaatlichkeit ein. Der Kongress muss tun, was den Gesetzen entsprechend zu tun ist. Als Bürger hoffe ich, dass es zu keinem Impeachment-Verfahren kommt, sondern, ich glaube, die amerikanischen Wähler schulden dem Land eine Entscheidung, die durch eine Wahl herbeigeführt wird. Ich fürchte, dass, wenn es ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn gibt und er angeklagt wird und aus dem Amt entfernt würde, wir uns um diesen wichtigen Wendepunkt in unserer Geschichte brächten. Ein Drittel der Menschen glaubt dann vielleicht, das war eine Art Coup. Es braucht eine machtvolle Demonstration der Demokratie. Die Amerikanerinnen und Amerikaner müssen aus ihrer Couch und ihrem Auto raus und in die Wahlzelle, um eine deutliche Botschaft zu senden. Die da lautet: Wir können niemanden als Präsident haben, der die amerikanischen Werte nicht verkörpert. Als Bürger hoffe ich, dass wir uns selbst und der Welt – aber vor allem uns selbst – zeigen, wofür wir stehen.