Osaka. Das Verhältnis der USA zu Russland ist unter der Präsidentschaft Donald Trumps nicht frei von Widersprüchen. Einerseits hat sich Trump - jedenfalls vor Antritt seiner Amtszeit - so lobend über den russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert wie kaum ein westlicher Staatenlenker sonst. Auch das vorherige Treffen zwischen Trump und Putin im Vorjahr in Helsinki war atmosphärisch amikal verlaufen, was Beobachter mutmaßen ließ, dass an den Anschuldigungen, Putin habe zugunsten Trumps in den US-Wahlkampf eingegriffen, etwas dran sein müsse.

Ansonsten hat Trumps Politik in seiner bisherigen Amtszeit bisher aber wenig Anlass für Vorwürfe in Richtung Russlandfreundlichkeit gegeben. Auch unter der Ägide der Republikaner wurde der Druck auf den geopolitischen Widerpart in Moskau schrittweise erhöht - etwa über schmerzhafte Wirtschaftssanktionen. Der Ausstieg der USA aus dem INF-Abrüstungsvertrag, der beide Vertragspartner zum Verzicht auf landgestützte Mittelstreckenraketen verpflichtete, wurde von Moskau wenig erfreut wahrgenommen. Dazu kommt noch, dass die USA alles daransetzen, die Nord-Stream-2-Pipeline zu verhindern - ein im Wesentlichen deutsch-russisches Projekt, das russisches Erdgas an den mittelosteuropäischen Staaten vorbei durch die Ostsee nach Deutschland pumpt.

Auch in anderen Weltgegenden stehen sich Russland und die USA als erbitterte Konkurrenten gegenüber - sei es im Streit um den Iran, in Syrien oder in Venezuela. Dass mit Donald Trump ein Politiker im Weißen Haus sitzt, für den - anders als bei seinem Vorgänger Barack Obama - die von Putin kritisierten liberalen westlichen Werte nicht mehr sakrosankt sind, hat an der Rivalität der beiden Mächte nichts geändert. Die Stimmung war konstant schlecht.

"Konstruktive Atmosphäre"

Umso überraschender war das ostentative Zurschaustellen von Harmonie auf dem Treffen von Trump und Putin am Rande des G20-Gipfels im japanischen Osaka am Freitag. Laut Russlands Außenminister Sergej Lawrow haben die Gespräche zwischen den beiden Politikern, in denen es um die Themen Iran, Syrien, Venezuela und die Ukraine ging, in einer "sehr konstruktiven Atmosphäre" stattgefunden - Töne, die man zwischen Washington und Moskau schon länger nicht vernommen hat.

Beide Seiten betonten, trotz des Endes des INF-Vertrags die Gespräche über gemeinsame Rüstungskontrolle fortzusetzen. Der Kreml lud Trump sogar zur Militärparade auf dem Roten Platz anlässlich des 75. Jahrestages des Sieges über Hitler-Deutschland nach Moskau ein, die am 9. Mai 2020 stattfinden wird. Trump soll laut einem Kreml-Sprecher "sehr positiv" darauf reagiert haben. Auf der Pressekonferenz erklärte Trump auf Anfrage, Putin gesagt zu haben, er solle sich nicht in die US-Wahlen einmischen. Den Kreml-Chef wird das aber nicht sonderlich gestört haben - schließlich erzählte Trump das mit einem Lächeln im Gesicht.