Trump nannte sein Verhältnis zu Putin "sehr, sehr gut". Putin hat seinerseits den US-Präsidenten in einem Interview mit der "Financial Times" im Vorfeld des G20-Gipfels als "talentierten Menschen" gelobt. "Er weiß sehr gut, was seine Wähler von ihm erwarten", sagte Putin - und kritisierte gleichzeitig die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, deren Entscheidung, im Jahr 2015 die deutschen Grenzen für hunderttausende Flüchtlinge zu öffnen, ein "Kardinalfehler" gewesen sei.

Man redet, dass man redet

Ist das russisch-amerikanische Verhältnis am Ende also gar nicht so schlecht, wie es den Anschein hat? Findet vielleicht tatsächlich abseits der üblichen konfrontativen Rhetorik eine fundamentale Annäherung statt? Der Politologe Gerhard Mangott ist da skeptisch. "Das Verhältnis ist so schlecht, dass in Russland darüber debattiert wird, ob es noch Sinn hat, unter Trumps Präsidentschaft eine Verbesserung der Beziehungen anzustreben", berichtet der Russland-Experte. Putin würde Trump einfach nicht mehr zutrauen, sich gegen die Hardliner in seinem Kabinett wie etwa Außenminister Mike Pompeo oder Sicherheitsberater John Bolton, die in Bezug auf Russland eine harte Linie vertreten, durchzusetzen.

Und die freundlichen Nasenlöcher, die man in Osaka gemacht hat, die Beteuerungen, miteinander im Gespräch zu bleiben? "Wenn das schon als großer Erfolg verkauft wird, zeigt das ja nur, wie miserabel das Verhältnis ist", analysiert Mangott. "Im Grunde ist es so: Man redet darüber, dass man darüber redet - und verkauft das als Erfolg." Für einen Kurswechsel in der Russlandpolitik der USA sieht Mangott keine Anzeichen - auch nicht jetzt, nach dem Ende des Mueller-Berichts. Die Gegensätze seien einfach zu groß, ob in der Iran- oder Syrien-Politik, bei den Ansichten zu Venezuela oder der internationalen Rüstungskontrollpolitik, in der ein vertragsloser Zustand wie in den 1960er Jahren droht.

"Großartige Freundin"

Ohnehin stellt sich die Frage, wie viel Lob oder Tadel von Trump überhaupt bedeuten. Im Vorfeld des Osaka-Gipfels kritisierte Trump Deutschland scharf und kommentierte die deutsch-russische Energiezusammenarbeit in Richtung Berlin so: "Sie bezahlen einen potenziellen Feind". Nach der Landung in Osaka, beim Treffen mit der deutschen Kanzlerin, klang dann alles ganz anders: Merkel sei eine "fantastische Person" und "großartige Freundin", das Verhältnis sei "grandios".

Der G20-Gipfel in Osaka war vor allem von bilateralen Zusammenkünften geprägt. Trump hat dabei ganze acht Staats- oder Regierungschefs getroffen. Neben Putin kam er dabei auch mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zusammen. Dieses Treffen stand ganz im Zeichen der Handelskonflikte zwischen den USA und China.