Washington. Für Donald Trump war es ein beeindruckendes Spektakel gewesen, als er vor zwei Jahren als Ehrengast von Emmanuel Macron die Parade zum französischen Unabhängigkeitstag aus nächster Nähe beobachten konnte. Über die Champs-Elysees defilierten Reiterstaffeln und gepanzerte Fahrzeuge, Soldaten in Paradeuniform salutierten im Vorbeiziehen vor dem französischen Staatschef und über dem Triumphbogen waren die Farben der Tricolore zu sehen, die Kampfflugzeuge mit Rauch in den Himmel gezeichnet hatten. "Eine der großartigen Paraden, die ich jemals gesehen habe" schwärmte der US-Präsident. Und schon damals war es für Trump sonnenklar, dass es etwas ähnliches auch in Washington geben muss. Eine pompöse Demonstration der militärischen Stärke Amerikas, bei der natürlich auch der Oberbefehlshaber bejubelt und gefeiert wird.

2018 aus Kostengründen abgesagt

Aus Trumps Plänen, die Parade in Washington schon im Jahr 2018 abzuhalten, wurde allerdings nichts. Angesichts der Kosten, die mit kolportierten 90 Millionen Dollar weit über dem ursprünglich vorgesehenen Rahmen lagen, und wohl auch wegen der massiven Kritik von vielen Seiten wurde die Veranstaltung letztendlich abgesagt. Trump hat das Thema allerdings nicht ruhen lassen. Und so soll nun am heutigen Donnerstag der amerikanische Unabhängigkeitstag mit einem großen Aufmarsch der Streitkräfte in Washington begangen werden. Mit dabei seien sollen laut Trumps Worten nicht nur "brandneue" Panzer wie etwa der Abrams oder die Air Force One, die gemeinsam mit anderen Flugzeugen das Lincoln Memorial überfliegen wird. "Wir werden auch einiges an unglaublichem Militärgerät zur Schau stellen", sagte Trump, der bei der unter dem Motto "Salute to America" stehenden Veranstaltung auch eine große Rede halten will.

Kritik auch aus dem Pentagon

Dass sich der US-Präsident bei den Feierlichkeiten auf der National Mall an die Bevölkerung wendet, ist ungewöhnlich. Doch angesichts des immer stärker in die Gänge kommenden Präsidentschaftswahlkampfs will sich Trump die Gelegenheit, am Unabhängigkeitstag vor einem Meer von die Nationalflagge schwenkenden Amerikanern zu sprechen, auf keinen Fall entgehen lassen. Schon im Februar hatte er in einer Twitter-Nachricht an seine Anhänger geprahlt, die Feier werde "eine der größten Zusammenkünfte in der Geschichte Washingtons" werden – inklusive "einer Ansprache ihres Lieblingspräsidenten, mir".

Dass in knapp eineinhalb Jahren gewählt wird und Trump erneut antritt, macht die Parade dieses Mal noch umstrittener als im vergangenen Jahr. Kritiker werfen Trump vor, die Feierlichkeiten zu politisieren und dem Steuerzahler die Rechnung für das Spektakel zu präsentieren. Laut dem Sender CNN, der sich auf eine nicht näher benannte Quelle im Pentagon beruft, soll es deswegen selbst in der militärischen Führung Widerstand gegen die Parade gegeben haben. Trump hat die Kritik an der Militärschau, die wohl von Protesten begleitet werden wird, dagegen zurückgewiesen. Die Kosten "werden sehr gering sein im Vergleich zu dem, was es wert ist", schrieb Trump am Mittwoch auf Twitter. "Es wird die Show des Lebens sein."