Berlin. Es sind die vielen Toten und es sind die vielen Verletzten in den USA, die nun die Menschenrechtsorganisation Amnesty International auf den Plan ruft. Seit Jahresbeginn sind in den Vereinigten Staaten fast 6000 Menschen durch Missbrauch von Schusswaffen ums Leben gekommen. Das besagt eine eine Statistik der Organisation Gun Violence Archive gekommen. Mehr als 35 Tote forderte alleine das erste Juni-Wochenende.

Amnesty International hat nun die "ausufernde" Waffengewalt in den USA angeprangert - und den Mangel an Unterstützung für Überlebende von Schießereien und Amokläufen. Dazu zählen hohe Kosten für medizinische Hilfe, als auch bürokratische Hürden sowie mangelhafte Entschädigungsprogramme stellten Überlebende von Amokläufen und Anschlägen vor große Probleme, heißt es in einem am Donnerstag vorgestellten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Amnesty forderte die US-Regierung dazu auf, "umfassende" Entschädigungen für Betroffene sicherzustellen.

Kosten für Behandlungen unerschwinglich

Die meisten der Betroffenen berichteten, dass die Schussverletzungen erst der Beginn ihres Albtraums waren, erklärt Amnesty-Rechtsexpertin Sanhita Ambast. Die Kosten für die Behandlung chronischer Schmerzen seien für Betroffene oft unerschwinglich, ebenso wie die Kosten für das Leben mit Behinderungen.

Die US-Behörden müssten dafür Sorge tragen, dass Überlebende von Waffengewalt die nötige Unterstützung und Entschädigungen erhielten, um sich ein neues Leben aufzubauen. "Da in den USA nicht entschieden genug gegen Waffengewalt vorgegangen wird, ist es umso wichtiger, die Überlebenden von Anschlägen mit Schusswaffeneinsatz zu unterstützen", forderte Ambast.

In dem Amnesty-Bericht "Scars of Survival" (Narben des Überlebens) kommt etwa die heute 26-jährige Jamie Willford zu Wort, die als 16-Jährige in einem Schusswechsel verletzt wurde und seitdem querschnittgelähmt ist. Zwar wird ihre Behandlung vom Regierungsprogramm Medicaid finanziert. Doch es sei für sie schwierig, einen Mediziner zu finden, der Medicaid akzeptiere, kritisierte Amnesty. Auch eine bezahlbare und barrierefreie Wohnung habe Willford noch immer nicht gefunden.

In Amerika kommt es auch wegen der laxen Waffengesetze immer wieder zu tödlichen Angriffen, bei denen Täter wahllos auf Menschen schießen.

Bemühungen von Organisationen, strengere Waffengesetze zu erkämpfen, scheitern am Widerstand vor allem konservativer Politiker und der NRA. Präsident Donald Trump hatte bei einer NRA-Veranstaltung im April betont, seine Republikaner seien die Partei, die das Recht auf Waffenbesitz schütze. Mit Blick auf die Demokraten sagte er damals: "Sie werden auch eure Waffen wegnehmen!" Er versprach den Waffenlobbyisten, das von Konservativen auf die US-Verfassung zurückgeführte Recht auf Waffenbesitz nicht anzutasten. (apa/afp)