"Diplomatie ist der beste Weg" meint Boris Johnson. - © reuters
"Diplomatie ist der beste Weg" meint Boris Johnson. - © reuters

Teheran/Brüssel. Der Favorit im Rennen um das Amt des britischen Premierministers, Boris Johnson, würde derzeit einen Militäreinsatz der USA gegen den Iran nicht unterstützen. Das sagte der Tory-Politiker in einer Debatte mit seinem Konkurrenten, Außenminister Jeremy Hunt.

"Wenn ich jetzt Premierminister wäre, würde ich dann eine Militäraktion gegen den Iran unterstützen? Die Antwort ist "nein", so Johnson bei einer Debatte in London. Sowohl Johnson als auch Hunt warnten eindringlich vor einem Krieg gegen den Iran. Diplomatie sei der beste Weg, betonte Johnson in der von der Zeitung "Sun" und dem Sender Talkradio organisierten Debatte.

Die Lage in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist sehr angespannt. Nach mehreren Zwischenfällen rund um die Schifffahrtswege im Persischen Golf und im Golf von Oman waren in den vergangenen Wochen Befürchtungen gewachsen, es könne zu einer militärischen Eskalation zwischen beiden Ländern kommen.

"Die USA sind das Problem"

Unterdessen hat der oberste iranische Führer Großbritannien wegen des in Gibraltar festgesetzten iranischen Öltankers mit Konsequenzen gedroht. "Diese böswilligen Briten stehlen unser Schiff, betreiben Piraterie und versuchen den Vorfall dann noch als legal dazustellen", so Ayatollah Ali Khamenei am Dienstag.

Unterdessen hat Irans Vizepräsident die EU aufgefordert, im Atomstreit stärker die USA ins Visier zu nehmen. Sie seien das Problem und nicht der Iran, sagte Eshak Jahangiri nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. "Daher sollte die EU auch nicht von uns fordern, dem Atomdeal verpflichtet zu bleiben, sondern von den USA."

Das Atomabkommen sei ein historisch wichtiger Deal für Frieden und Sicherheit in der Welt gewesen, den die Amerikaner mit ihrem Ausstieg in Gefahr gebracht hätten. Die USA hätten anders als im Abkommen festgesetzt, Sanktionen gegen den Iran verhängt, "und zwar in einer unmenschlichen Art und Weise".

Alle Vertragspartner müssten sich an die Verpflichtungen halten, und nicht nur der Iran, sagte Jahangiri. Sobald dies der Fall sein sollte, "wird auch der Iran binnen Stunden voll und ganz zum Deal zurückkehren". Wenn nicht, werde auch der Iran schrittweise seine Verpflichtungen aus dem Deal reduzieren.

Mit dem Wiener Atomabkommen von 2015 sollte verhindert werden, dass der Iran Atomwaffen entwickelt. Im Gegenzug sollten Sanktionen und Handelsbarrieren des Westens fallen. US-Präsident Donald Trump verkündete 2018 den Ausstieg der USA aus der Vereinbarung. Die US-Regierung verschärfte ihre Sanktionen, um die Führung in Teheran zum Abschluss eines neuen Abkommens mit schärferen Auflagen zu zwingen.