Khartum. Der Sudan, eines der ärmsten Länder der Welt, kommt seit über einem halben Jahr nicht zur Ruhe. Demonstrationen, die sich Mitte Dezember 2018 an der Erhöhung der Brot- und Benzinpreise entzündet hatten, führten zu einer Protestbewegung, die diesen April zum Sturz des Langzeitmachthabers Omar al-Baschir führten. Die darauf folgenden Gespräche zwischen dem Militärrat und der Opposition gerieten immer wieder ins Stocken, die Demonstrationen wurden fortgeführt. Im Folgenden ein Überblick über die bisherigen Ereignisse:

19. Dezember: Erste Proteste gegen die Erhöhung der Preise von Brot und Benzin. In den darauffolgenden Tage kommen Dutzende Menschen bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften ums Leben. Rasch weiten sich die Proteste zu Demonstrationen gegen den langjährigen Präsidenten Baschir aus, gegen den seit Jahren ein internationaler Haftbefehl wegen Völkermordes in der Krisenregion Darfur besteht.

25. Dezember:  Baschir wendet sich erstmals seit Ausbruch der Proteste an die Öffentlichkeit und stellt Reformen in Aussicht.

22. Februar: Baschir ruft einen landesweiten Notstand, der für ein Jahr gelten soll. Zugleich löst er die Regierung auf.

23. Februar: Baschir ernennt Mohamed Tahir Ela zum neuen Ministerpräsidenten.

13. März: Baschir setzt eine neue Regierung ein, sie soll die Wirtschaftskrise in dem nordostafrikanischen Land lindern.

6. April: Tausende Menschen marschieren in Richtung Militärhauptquartier und belagern den Gebäudekomplex tagelang. Auf dem Gelände befinden sich auch die Residenz Baschirs und das Verteidigungsministerium. In den darauffolgenden Tagen werden laut Opposition mindestens 20 Demonstranten getötet.

11. April:  Baschir tritt zurück, er soll durch einen Militärrat ersetzt werden, der die Macht interimistisch übernimmt. Alle politischen Gefangenen sollen freigelassen werden. Der Baschir-Vertraute und bisherige Vizepräsident und Verteidigungsminister Awad Mohamed Ahmed Ibn Auf wird zum Chef des Militärrates ernannt. Ibn Auf verhängt einen dreimonatigen Ausnahmezustand und ordnet eine Ausgangssperre an. Oppositionsgruppen verurteilen den Putsch, fordern eine zivile Übergangsregierung und kündigen weitere Proteste an.

12. April: Bereits nach einem Tag tritt Ibn Auf zurück. Abdel Fattah al-Burhan wird neuer Anführer des militärischen Übergangsrats. Er hebt die Ausgangssperre auf und verspricht die Übergabe der Macht an eine zivile Regierung binnen zwei Jahren. Die Opposition fordert eine sofortige Übergabe. Der Zeitrahmen der Übergabe an eine zivile Regierung bleibt der Knackpunkt in den Verhandlungen.

14. April: Tausende Demonstranten setzen ihre Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte in der Hauptstadt Khartum fort.

17. April: Baschir wird in ein Gefängnis in Khartum verlegt. Er soll aber nicht, an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) ausgeliefert werden  - trotz seines internationalen Haftbefehls wegen Völkermords in Darfur.

20. April: Erste Verhandlungen mit dem regierenden Militärrat über die Machtübergabe an eine Zivilregierung.

21. April: Die Opposition ruft zu Massenprotesten auf und will erst weiter verhandeln, bis alle "Forderungen des Volkes" erfüllt sind.

27. April: Protestbewegung und Militärführung einigen sich auf ein gemischt besetztes Komitee zu Beratungen.

8. Mai: Die Gespräche sind festgefahren, die Protestbewegung droht mit der Ausweitung des Widerstands. Sie wirft dem Militärrat vor, den Übergangsprozesses hin zu einer zivilen Regierung gezielt zu verschleppen.

13. Mai: Einigung auf die Zusammensetzung eines neuen "souveränen Rats", dem militärische und zivile Vertreter angehören sollen. Der gemeinsame Rat, eine Art Übergangsregierung, soll den amtierenden Militärrat ersetzen und maximal drei Jahre lang an der Macht sein.

16. Mai: Die Armee unterbricht die Gespräche über die Bildung einer Übergangsregierung. Die Generäle fordern ein Ende der Straßenblockaden in Khartum.

20. Mai: Die Gespräche über zivile Übergangsregierung werden wieder aufgenommen,  aber erfolglos. Die Opposition ruft zu Protesten und zu einem Generalstreik auf.

31. Mai: Das Militär schließt das Büro des arabischen Fernsehsenders Al-Jazeera in Khartum. Den Journalisten wird die Arbeitserlaubnis entzogen.

3. Juni: Das Militär beginnt, die Protestkundgebung vor dem Armeehauptquartier gewaltsam aufzulösen. Das Oppositionsbündnis spricht von einem "blutigen Massaker".

4. Juni:  Der Militärrat kündigt alle Vereinbarungen mit der zivilen Opposition für eine friedliche Machtübergabe auf. Stattdessen soll in innerhalb von sieben Monaten gewählt werden, teilte der militärische Übergangsrat mit.

5. Juni: Die Vereinten Nationen äußerten sich besorgt: "Es ist sehr wichtig, dass keine exzessive Gewalt eingesetzt wird", heißt es aus dem Büro des Sprecher des UN-Generalsekretärs António Guterres. Die für Todesfälle Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Beim Vorgehen der Armee gegen die Protestbewegung sind im Sudan nach Angaben von sudanesischen Ärzten innerhalb der vergangenen Tagen - seit der gewaltsamen Auflösung der Proteste - rund 100 Menschen getötet worden.

Die Militärführung im Sudan, erklärt sich nach internationalem Druck doch bereit, wieder mit der Opposition zu verhandeln. Diese lehnt zunächst ab.

6. Juni: Der Sudan wird von der Afrikanische Union suspendiert. Bis eine zivile Übergangsregierung eingesetzt werde, ruhe die Mitgliedschaft, teilte die AU mit.

9. Juni: Bei Protesten anlässlich der Kampagne des "zivilen Ungehorsams" im Sudan sind nach Oppositionsangaben vier Menschen getötet worden. Das Zentralkomitee machte die Militärregierung und paramilitärische Truppen für die Todesfälle verantwortlich. Beobachter der Proteste gegen den Militärrat berichteten von Warnschüssen, mit denen Polizisten die Proteste auflösen wollte. Zuvor hatte die Polizei bereits Tränengas eingesetzt.

 14. Juni: Sudans Militärrat räumt "Fehler" bei Räumung von Protestlager ein.

3. Juli: Armee und Demonstranten im Sudan nehmen Gespräche wieder auf. Drei Generäle des regierenden Militärrats und fünf Vertreter der oppositionellen Demonstranten treffen sich in einem Hotel in der sudanesischen Hauptstadt Khartum.

5. Juli: Militär und Opposition einigten sich auf Übergangsregierung im Sudan. Die Generäle und die Allianz für Freiheit und Wandel (ALC) hätten sich auf einen obersten Rat unter "wechselnder" Führung während einer dreijährigen Übergangsphase geeinigt, sagte der Vermittler der Afrikanischen Union auf einer Pressekonferenz.

7. Juli: Sudans Militärrats-Chef bekennt sich zu Einigung mit Protestbewegung. Der regierende Militärrat werde das Abkommen "schützen" und auf dessen Umsetzung achten, sagte der Vorsitzende des Militärrats, General Abdel Fattah al-Burhan, am Samstag in einer Fernsehansprache. Die Endfassung der Einigung wird  noch von einem Expertengremium ausgearbeitet. Die Unterzeichnung wird in der kommenden Woche erwartet.

9. Juli: Der Sudan hat wieder Internet: Der größte Provider schaltet seinen Server wieder an. Das Land hatte ein Monat kein Internet nachdem der Militärrat das Medium "aus Sicherheitsgründen" abgeschalten liess, nach den Massaker bei der Auflösung der Sitzblockade am 3. Juni. Die Opposition hatte sich vorwiegend über das Internet organisiert.

13. Juli: Zehntausende Demonstranten fordern in Sudans Hauptstadt Khartum für Gerechtigkeit für die getöteten Menschen gefordert, die vor mehr als einem Monat den Sicherheitskräften zum Opfer fielen.
17. Juli: Unterzeichnung des Abkommens für die Übergangsregierung.  Ein Vermittler der Afrikanischen Union hatte erklärt, die Vereinbarung sehe einen gemeinsamen "souveränen Rat" aus Vertretern des Militärs und der Protestbewegung vor. Diesem werde zunächst die Armee vorsitzen, bevor ein Oppositionsvertreter übernehme.